Was man nicht haben kann – Das will man

Das Andere ist immer besser, leichter, bequemer und nicht ansatzweise so schwer, wie das Eigene. Und ist es mir verwehrt, so brauche und will ich es unbedingt. “Den Spatz auf dem Dach oder die Taube auf der Hand?” Der Wunsch und die Überzeugung ist da, was man nicht hat, muss einfach besser sein, denn sonst hätte man es ja. Aber ist es Einstellungssache oder der Lauf der menschlichen Natur? Muss der Wunsch nach dem Anderen, sogar nach dem Mehr, so viele Menschen beherrschen?

Die Suche, Sehnsucht nach Mehr

Von Natur aus ist sie gesund. Denn sie erschafft Kreativität, motiviert und treibt an. Wer nichts mehr haben will, der wird auch nichts mehr investieren, der bleibt stehen und sucht nicht mehr. Er hat den Status erreicht, der ihm reicht und sollte zufrieden sein. Aber dies geht den seltensten Menschen so. Mit dem Alter kommt auch die Gelassenheit, die Fähigkeit mit dem Status der bis dato erreicht wurde, zufrieden zu sein und nicht nach dem zu geifern, was noch kommen könnte.

Das Andere, das Verwehrte

Ganz sicher ist Neid ebensowenig ungesund. Solange es sich in Maßen hält. Aber wie kommt es, dass man genau das haben will, von dem man weiss, dass man es nicht haben kann?

Natürlich spielt da die Hoffnung auch eine Rolle. Aber im Grunde genommen ist es die Tatsache, dass man einfach nicht akzeptieren will, dass es etwas gibt, dass einem Grenzen setzt. Es ist so nah, dass man es berühren kann, man kann es sehen und schmecken und doch wird man es nie besitzen. Das kann fuchsen. Eine Grenze, die nicht überschreitbar ist, obwohl diese Grenzlinie nur aus einer Kleinigkeit bestehen mag. Man muss sich ihr ergeben, ein Stück weit den Stolz runterschlucken und anerkennen, dass man machtlos, in diesem Gefüge hilflos ist. Gibt man nicht auf, so klammert man an sich die Hoffnung. Die Tatsache, dass auf unserer Welt, mindestens theoretisch alles möglich ist. Die Hoffnung wird zum Hilfsmittel, um sich gegen Gegebenheiten auflehnen zu können. Sie wird benutzt, um eine Stärke zu entwickeln, Unumstößliches zum Wanken zu bringen, und auch den eigenen Stolz zu bekräftigen. Denn nur ein stolzer Mensch will genau das, was es nicht gibt.

Warum?

Weil es seinen Stolz kränkt, es nicht zu besitzen. Die Selbstliebe, Eigenliebe erkennt nicht an, dass einem potentiell kräftigem Ich nicht alles unterliegt.

Die Flucht

Der Wunsch nach dem Anderen, Unbekannten und gewissermaßen Verbotenem ist auch eine Flucht. Eine Flucht aus den Lebensumständen, den Ressourcen, die greifbar und erreicht sind. Sehe ich nur das Andere, konzentriere ich mich nur darauf, so muss ich nicht sehen, wo ich stehe. Was ich besitze und jederzeit haben kann, wenn ich es einfach nur benutze.

Es fördert Unzufriedenheit, der man auch wieder entfliehen muss und so will man immer mehr. Kann niemals zufrieden sein. Dabei besitzen die meisten Menschen schon alles, was man sich wünschen kann, nichts vor dem man fliehen muss.

Aber die Medien, die Werbung macht es uns vor. Nur das Schönste, das Beste ist erstrebenswert und wird anerkannt. Es bringt Glück, Wohlstand und Zufriedenheit.

Aber hört man auf diese “falschen Propheten”, so wird man am Ziel angekommen, erkennen, dass es niemals das Paradies ist. Es bringt etwas Glück, aber nur vorübergehend. Und so geht es weiter, zum nächsten Angepriesenem. Ein Kreislauf beherrscht von unserer modernen Wirtschaft, den neuen Medien, denen man sich nirgendwo mehr entziehen kann.

Die Einsicht kommt erst, wenn sich wieder der Blickwinkel ändert. Wenn man das verliert, was man besaß und erst dann erkennt, was es einem bedeutete. Doch man wird es nicht wiederbekommen. Und schon sind wir wieder am Anfang des Artikels.

Wie man dem entkommen kann? Nicht in die Ferne blicken, sondern genau vor sich, um sich. Eigentlich reicht, was man besitzt, um glücklich zu werden. Oh sicher, mehr geht immer und es gibt auch immer welche, die es leichter haben, die mehr besitzen. Aber zählt das wirklich? Wenn das was ich besitze, alles ist was ich brauche, warum dann Unrast, Hast, Unruhe und Unzufriedenheit, Gereitztheit und aufbrausendes Verhalten? Müsste ich nicht eigentlich ruhig sein, da ich alles habe, und was kommt, noch mehr kommt, das nehme ich bereitwillig aber renne nicht alles um, bei der Suche danach?

Die Menschen sind einfach zu stolz. Als oberste Entwicklungsstufe dieses Planeten, sind wir einer immerwährenden Betriebsamkeit unterworfen, weil wir einfach nie genug bekommen können. (Ich nehme mich auch ganz sicher nicht daraus, ich bin keine Ausnahme.) Man müsste uns alles nehmen und uns mal mit der Nase darauf stoßen, was wirklich reicht und was nur Gier, Stolz und Sucht ist.

Der Blick in die Ferne, auf des Nachbars Grundstück war schon immer leichter, als mal die eigene Hecke zu schneiden.

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