Walküren – Die Todesengel des Schlachtfeldes

In goldener Rüstung, das lange blonde Haar hinunter, wie einen Schleier, der sie Engeln gleich, zu einer leuchtenden Erscheinung machte. Oder aber furchterregende Dämoninen, die über das Schicksal der Krieger entscheiden durften? Die Seelen derer erwählten, die im Totenheer Odins dienen durften? Dienerinnen, des einen Gottes, die in Walhall eben diesen ehrenhaften Gefallenen den Trank reichten? Die Aufgaben die man ihnen zudachte, waren ebenso vielfältig und verschieden, wie es nur Naturgewalten vermögen. Die Rache, das Verderben oder die ehrfurchtsvolle Aufgabe des ewigen Dienstes in Odins Heer. Sie brachten Beides.

Die Walküren

Ich gebe Ihnen zu Anfang einen direkten Einblick in ihr Handeln, da ich nun mal die Möglichkeiten dazu besitze. Ich schreibe an einer Saga, wo eben diese Wesen der nordischen Mythologie, eine Rolle besitzen. Zu finden ist sie in”Legends Of Kain”. Aber genug vom Drumherum, tauchen Sie erst einmal ein:

Lilith will ihr folgen, zieht Kain mit, doch dieser bleibt stehen. Er dreht sich weg von ihr, hört ein sirrendes Geräusch und blickt zum Waldrand. Noch kann er es nur schwach erkennen. Es ist schnell und treffsicher sucht es sich seinen Weg. Eine goldene Spitze, scharf geschliffen, Diamanten am Knauf und in Gold gefasstes Holz als Griff. Ein Speer, der pfeilgerade über die Wipfel der Bäume schnellt und in das Erdreich vor den Vampiren und Wölfen fährt. Kain zieht sein Schwert. Er weiß, dass da noch ein Gegner kommt. Er wird nicht fliehen. Er wird kämpfen. Lilith verkrampft ihren Griff an seinem Arm noch mehr. „Nein. Das darfst Du nicht. Du wirst sterben. Glaub mir. Selbst Du kannst das nicht überleben. Keiner kann das. … Ich brauche Dich. Kämpfen kannst Du später noch. Bitte.“ Lilith spricht bettelnd, Tränen in den Augen, denen niemand widerstehen kann. Auch Kain nicht. Und so folgt er ihr durch das magische Portal. Hinter ihnen schließt es sich, als wäre es nie da gewesen. Wir können uns denken, dass es eine Rettung für sie war.

Aber wovor?

Der Speer, so machtvoll funkelnd in dieser Nacht, steckt tief eingegraben in der Grasnarbe. Die Welt scheint zu reagieren. Der Himmel bricht auf, die Wolken vertrieben von einem Sturm, der aber sofort wieder abflaut. Wir können es spüren. Irgendetwas geschieht.

Aber was?

Dieser Speer ist keine Waffe. Er ist nicht zum Kämpfen gedacht. So machtvoll verziert, so prächtig ausgestattet, erinnert er an eine Opfergabe. Ein Weihewerkzeug, wie es in dieser Welt nicht mehr zu finden sein darf. Er ist alt. Sehr alt. Entstammt einer Zeit, wo Gegenstände, besonders mächtige Gegenstände, noch Namen trugen. Sein Name war Gungnir. Wir wissen es nun. Wissen, dass diese Waffe in der Hand des obersten Gottes war, bevor er diese Welt verließ. Die Wölfe und Vampire können es nicht wissen. Sie wurden gezeichnet, ihre Seelen einem alten Gott versprochen. Ein Opfer, das einen Lohn bedeutet. Aber nicht für sie. …

Nicht weit entfernt raschelt der Wind durch die Blätter. Es ist wie ein Flüstern, die Stimme einer Natur. Die Leichen der gefallenen Menschen des Königs regungslos am Boden. Aber es herrscht kein Wind. Die Blätter bewegen sich nicht. Es ist ein Flüstern, so leise und in einer anderen Sprache, die wir nicht verstehen können. In einer anderen Stufe der Existenz, unsichtbar für menschliches Augenlicht, findet ein Zwiegespräch statt. Die Seelen der Gefallenen, sie stehen nun. Unsichtbar und doch anwesend. Sie blicken auf eine Erscheinung. Leuchtend, voll des innerlichen Glanzes, der ihr das Auftreten eines Engels ermöglicht. Ein langes Fell, gelockt in goldenem Blond, das ihr wie ein Kleid bis zur Taille herunterhängt. Eine Kriegerin mit mächtigem Schild und goldenem Panzer auf der fast nicht zu bändigen Brust. Sie spricht im Singsang, becirct die Seelen und macht ihnen ein Angebot.

Nun passiert es auch in der weltlichen Ebene.

Die Körper der Toten erheben sich wieder. Menschen, in einem Glauben gestorben, im Anderem wiedergeboren. Aber menschlich sind sie nicht mehr. Und untot ebenso wenig. Sie erheben sich mit neuen Waffen, Äxten und Schwertern, so breit, wie die Bäume um sie herum. Ihre Körper verändert, voll der strotzenden Muskelkraft. Sie scheinen gewachsen und der menschlichen Rasse entwichen. Ein Bärenfell auf dem Haupt, die Rüstung straff gespannt und die Augen nur leicht im gelben Glanz. Sie zögern nicht, sie denken nicht. Sie haben nur noch einen Impuls dem sie folgen. 300 Wesen, eine Masse in Bewegung, mit neuer Macht ausgestattet, die sie zu eins werden lässt. Als Menschen wichen sie aus. Nun müssen sie das nicht mehr. Keine Schmerzen, nur eine unbändige Wut, einmal erwacht, nie mehr zu stoppen. Die Bäume auf ihrem Weg, sie fallen. Eine Schneise, die die Zerstörung durch den Wald zieht.

Die Wölfe werden unruhig. Sie fletschen die Zähne, knurren und schaben mit messerscharfen Krallen im Boden. Sie fühlen den Feind. Spüren, wie die Welt selber erzittert und sind bereit. Die Krieger, das Heer an Vampiren, noch immer unbewegt, aber nicht weniger aufmerksam.

Eine breite Wolkendecke, wie ein Tuch zieht über den Himmel. Für nur einen Augenblick verhüllt sie den Mond und nimmt uns die Sicht. Wir danken es ihr.

Schreien, Jaulen, knirschende Knochen und sprudelnde Fontänen, als die Kräfte aufeinander prallen. Die Krieger, dem Tode entrissen, die fallen ein und zerschmettern die Gegner. Solch unbändige Wut, entfesselte ungebremste Kraft, übertragen durch diese Hinrichtungswerkzeuge, dass selbst die Übernatur nur zurückweichen kann. Die Wölfe beherrscht von Trieben, sind nicht fähig dazu. Die Vampire, ohne Logik oder Verstand, einzig einem fremden Willen unterworfen, wanken noch immer nicht. Sie hätten es besser getan.

Die Wolkendecke ist vorüber und sie sind schon nicht mehr. Glühende Asche, verendende Wölfe, Blut und Glieder überall. Es war ein Massaker ohne Erbarmen. Der Feind geschlagen, die Krieger siegreich. Sie brüllen, ein Jauchzen fast, denn sie sind dem Mahl in der göttlichen Halle würdig. Speise und Trank, Weib und Fleisch für immer. Sie schlagen die Waffen gegen ihre Rüstung, ihre Freude nimmt überhand. Sie sind die Krieger eines Gottes. Aber dass sie nicht die volle Macht besitzen, wissen sie nicht. Dass sie mächtig, aber noch sterblich sind, es würde sie nicht interessieren. Sie sind siegestrunken und das macht sie wieder zu Lämmer auf der Schlachtbank. Sie sehen es nicht kommen. Ihr Engel, die Walküre, ebenso anwesend doch unsichtbar, ruft den Speer zu sich. Es ist getan. Das Heer, die Pest, die ihre Schwestern freiließen, geschwächt. Nicht besiegt, noch lange nicht ausgelöscht. Aber es konnte reichen. Für den Anfang. Die Walküre löst sich auf und verschwindet. Sie weiß, was nun passieren wird. Ein kleiner Triumph für ihre Gegner. Sie sollen ihn genießen, denn mehr bekommen sie nicht.”

Besser konnte ich es Ihnen wirklich nicht näher bringen. Die Walküren waren die Dienerinnen nur eines Gottes. Des Allvaters Odin, der Ihnen die Aufgabe zudachte, die Einherjar (ehrenhafte Gefallene) für sein Toten Heer auszuwählen und nach Walhall zu bringen. Den himmlischen Wohnsitz, wo sie diese ebenso auch bewirteten. Sie waren zu Mehreren, nach mancher Quelle gibt es bis zu 13, die Odin neben seinen Raben zur Seite standen. Der Saga nach ritten sie auf Wolkenrössern,Sturmwolken, fliegenden Pferden über das Schlachtfeld.

Die Namen entnehmen wir der Edda (Grimnirlied, Strophe 34)

Hrist und Mist

sollen das Horn mir bringen,

Skeggjöld und Skögul,

Hild und Thrud,

Hlökk und Heerfessel,

Göll und Geirahöd,

Randgrid und Radgrid

und Reginleif,

die bringen den Einherjern Äl.

Ganz und gar nicht Engel, sollen sie genauso erbarmungslos, wie die Schlacht selber gewesen sein. Der Ursprung soll in kriegerischen Amazonen zu finden sein, die nicht an Grausamkeit zu überbieten waren. Mehr Todesengel, die die dem Tode Geweihten aussuchten und der Rolle, Bestimmung, zuführten.

Die Walküren, Vollstrecker und Werkzeug ihres Gottes. Der Mythologie entsprungen und in alten Liedern verewigt. Aber ein weiteres mal dürfen sie sich erheben. In einer Zeit, wo Odin selbst vergangen ist und die Walküren verfeindet. In einer Zeit, die Ragnarök überstanden hat, aber so manche Legende, die der Mythologie entspringt, noch in Worten weiterlebt.

Lies doch mal