Vom Druck etwas zu werden – Sein ist nicht genug

Sie, wie auch ich, sind ein Teil dieser Gesellschaft. Mal mehr, mal weniger, da bilden wir sie mit. Gesellschaft ist gut, praktisch und nützlich. Denn durch sie bekommen wir Werte, Richtlinien, Normen und Moral, die uns zu einer Masse des Miteinander schweißt. Ab und zu gehen wir mit, ab und an, genau dagegen. Ich werde das jetzt nicht kritisieren, angreifen oder provokant zuspitzen. Es ist, wie es ist und meistens genau so, wie es sein soll.

Als Frischling unserer Rasse, als Junges, als Nachkomme, grün hinter den Ohren, werden wir geboren. Wir wissen nichts, kennen gar nichts. Mit der Zeit beobachten wir, probieren aus und bekommen alles erklärt und mitgegeben durch Medien welcher Form auch immer. Um so mehr wir verstehen, um so mehr wir begreifen, um so mehr wollen wir auch.

Geld, Macht, Status, Einfluss und Anerkennung.

Das ist gut so, denn genau so funktioniert es nun mal. Dann aber, vielleicht erst irgendwann, kristallisiert sich auf dem Weg des Lebens auch etwas Anderes heraus.

Ein Druck, der fordert etwas zu erreichen.

“Schon dreißig und keine Kinder, nicht verheiratet?”

“Mit 32 noch kleiner Angestellter und nicht in der Führungsschiene?”

“Seit 8 Jahren im Studium und noch immer kein klares Ziel vor Augen?”

“Noch kein Haus? Keine Eigentumswohnung?”

Wir Menschen vergleichen einander. Was wir erreicht haben, was wir uns als Status anerkennen. Und mitunter wird genau das zu einem Wettstreit. Man muss etwas erreichen, wenn man respektiert werden will.

Ein Produkt, Ergebnis der Leistungsgesellschaft. Die Maschinerie, die sich selber über die Ressourcen hinaus antreibt.

Druck ist niemals gut. Gibt es kein Ventil, keinen ausgleich, so führt es unweigerlich zu einer Explosion. In der Psyche, Gefühlswelt, gravierender im Verstand.

Der Wettstreit um Erreichtes, der Vergleich und das Messen an Anderen ist normal. Und dennoch, gehe ich den einen Schritt, der mich davon befreit, Anerkennung von Außen zu erlangen, so unterliege ich rein mir und meinem Werturteil.

Im Grunde müsste das dann entspannen, den Druck wegnehmen. Aber das tut es nicht, sofern ich weiterhin Ideale an Menschen festhalte, die ich von Kindesbeinen an durch Medien oder Erziehung mitbekommen habe. Und genau das, ist der Knackpunkt.

Es wird immer auf die Gesellschaft geschoben. Der Druck, der Zwang, Leistung und Produktivität. Aber Gesellschaft, das sind Sie, wie auch ich. Ohne uns gibt es sie überhaupt nicht.

Wer also Vorwürfe machen will, Fehler suchen, der muss leider im eigenen Denken beginnen. Ohne Ihren Verstand, Ihre eigenen Vorgaben, Ihre Wünsche und Anforderungen, gibt es keinen Druck, der von Ihnen verlangt, etwas zu werden.

Wie auch vorher schon, ist es eine willentliche Entscheidung, einfach zu sein oder etwas werden zu müssen.

Befreien Sie sich vom Gedankengerüst der Zwänge und vorgeschriebenen Statussymbole. Es ist nur falsch, wenn es für Sie alleine zu viel wird.

Nichts müssen, alles können, das ist die Freiheit einer Zukunft, die Sie alleine in jedem Moment bilden.

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