Nur ein Moment der Träne – Für Dich alleine

Draußen, da tobt es. Der Wind bläst ungestüm und wild durch die Gassen. Prasselnd schickt er die Tropfen gegen die Scheibe. Hämmernd, im Takte der uns an das eigene Hämmern des Innern erinnert, lauschen wir ihm. Wir sind still, fast ruhig. Vielleicht sind wir entspannt, doch ist es der reine Moment, der dies in uns bewirkt. Es ist die Zeit, die uns mal wieder gezeigt hat, dass am Ende nur das Weitergehen nur bleibt. Die Zeiger der Uhr, die uns lehrten, dass am Ende, sie sich strikt nur weiterbewegen. Im unaufhörlichen Takt der sich digital bewegenden Zahlen, im Prasseln der Regentropfen, da findet es sich rein wieder. Wir können es spüren. Wie es sich verbindet, mit dem, was da in uns schlägt. Wie auch es sich nur dem Auf und Nieder zuwendet. Wir atmen ein, einmal, zweimal, dreimal. Tief, sehr tief. Und dann kommt der Seufzer. Noch tiefer aus unserem Sein, als der Takt des Herzens, noch tiefer, als den Grund der Seele. Mit diesem einem Seufzer, sehen wir uns daran erinnert, was wir erlebten. Was uns streifte, was im Fluss der Zeit, … einfach nicht bleiben wollte. Wir schicken ihn hinaus, hoffend, dass er uns erleichtern möge. Es ist getan, … und doch, da bleibt es. Es hält sich, begraben, versteckt, und noch immer nur eingeschlossen. Es hält sich bedeckt, im Tiefsten der Tiefen und nimmt uns auch jetzt nur die Luft zu neuem Atmen. Wir tun es. Wir holen Luft, in jeder Sekunde aufs Neue … und doch erreicht uns keine neue Kraft mehr. Kein Sauerstoff, der uns zu stärken scheint. Du schließt die Augen. Für einen Moment und ergibst Dich dem. Kein Seufzer mehr, kein Ausatmen, das Dich befreien soll. Denn Du hast akzeptiert. Es ist, wie es ist. Es endet, wie es das einfach immer tut. Am Ende? Da bleibst nur Du alleine, mit Dir und Deinem Selbst, dass sich mit dem Scherben dessen zurecht finden muss, das einmal das Schloss der schönsten Träume war. Vielleicht, vielleicht auch nur, da kommt ein Bild, eine Erinnerung. An Nähe, an Geborgenheit, an Wärme. Und mit ihrem Erscheinen, da löst es sich aus den Augenwinkeln. Nur leise rinnend, sucht es sich den Weg Deine Wange hinab. Schweigend und sanft streichend, fließt es hinab. Nicht prasselnd und stürmisch, wie dort draußen. Es ist Deine stille Träne, um Dein stilles Leid, diesen Schmerz, den Du Dir selber nicht eingestehen willst und doch nur die Stimme Deiner Seele spricht.

Die Träne, sie löst sich, sie fällt. Zum Boden, hinunter in die Schwere der Tiefe. Du blickst ihr nach, erwartest, dass sie zerschellt, dass sie platzend in tausend Scherben, sich in Nichts auflöst.

Doch sie tut es nicht.

Sie fällt nicht zu Boden.

Sie verändert ihre Form und reflektiert ein Licht, wie Du es niemals vorher gesehen hast. Du kannst es nicht nur sehen, Du fühlst den Schein nun auch. Ein warmes Leuchten, das dich streift und in Dein Inneres zu greifen scheint. Sicher wehrst Du Dich dagegen. Du lässt es nicht ein, nicht in den Kerker Deines Innern und doch spürst Du es dort am Schloss rütteln. Du öffnest nicht, aber in der Bewegung, in der Du es fortschicken willst, Deinem Moment, Deinem Weg ergeben, da umhüllt es Deine Hand. Sanft schmiegt es sich an die Glieder Deiner Finger, umfängt die Nägel Deiner Hand und immer weiter den Arm hinauf. Wie einer Geste gleich, der sanften Berührung eines Griffes, hat es Dich mitgenommen und entführt.

Es ist eine Tür, die sich geöffnet hat. Ein Raum, ein Zimmer, der sich dahinter befindet. Ein Sessel darin, eine Decke, darauf, wie Du erkennst. Die Geste, der sanfte Griff, der Berührung, die Du fühlst, er führt Dich hinein. Nein, er zieht Dich nicht, er schubst nicht, er zeigt dir nur. Aber was Du siehst, das lässt Dich einfach eintreten.

Der Raum ist nicht hell. Er glitzert und ist erleuchtet im warmen Schein von den vielen Kerzen im Kreise drumherum, die sich auf dem Boden verteilt finden. Es flackert, es tanzt, in tausend kleinen Lichtern über den warmen roten Teppich und ein bisschen, ein bisschen nur, da erreicht auch Dich diese Wärme. Du trittst ganz ein, lässt Dich zum Sessel führen und sinkst hinein. Die Decke wird über Dich gelegt, ausgebreitet und umhüllt Dich nun ganz. Wie das schönste Heim, so sicher ist es hier. Kein Laut, kein Geräusch, nur wohlige Wärme, die von den Kerzen ausgeht.

Vor Dir, da prasselt ein kleines Feuer. Im Backstein eines Kamines, der ohne Schornstein, ohne Rauch, zu funktionieren scheint. Aber es ist nicht wichtig. Denn das Knistern des Holzes, die aufstäubenden Funken, die sind es, die nur zählen. Tausend kleine Lichter, die sich im Tanz dieses Schauspieles umeinander winden. Du beobachtest sie, folgst ihnen in diesem Funkenspiel.

Warum Du hier bist?

Im Grunde ist es nicht wichtig. Und Du stellst Dir diese Frage auch nicht. Denn hier bist Du sicher. Hier bist Du alleine, hier bist du in wohliger Wärme der kleinen Feuer, die nur brennen, um Dein eigenes Innern zu erwärmen. Es mag sein, dass die eine und andere Träne auch hier ihren Weg hinunter findet. Aber sie wird gefangen, aufgehoben und Dir zurückgegeben. Von dem sanften Begleiter, der Dich erst hierhin brachte. Er zeigt Dir Deine Tränen. Das Wasser, den Fluss Deiner Seele. Sie sind versteinert, im Kristall gefangen und glitzern im Licht der Flammen um dich herum. So wunderschön in tausend Farben, in einer jeden, die Du Dir vorstellen kannst. Er gibt Dir die Tränen wieder. Denn Du verstehst, dass mit jeder nur, ein Stück Deines Innern geblutet hat. Und so wunderschön glitzernd, wie es im Innern Deiner Selbst ist, so wunderschön sind auch die Tränen.

Es vergeht keine Zeit hier. Kein Ticken, kein Rauschen, kein Zwang und keine Pflichten, Verantwortungen. Du hörst nur Dein Atmen. Tief ein, Tief aus … und schläfst ein.

Nur einmal noch, da hörst du die Stimme Deines Begleiters.

In Deinem Innern Du nur bist. In Deinem Innern, nur Du weinst. In Deinem Innern, wo es sich findet. Das Schönste, das Einmaligste, das Beste und Unbezahlbarste der Welt. Nur Du. Nimm Dir diesen Schlaf. Nimm Dir diesen Traum. Und wann immer Du willst, so komme wieder und ich warte auf Dich, zeige Dir wieder den Weg hierhin. … Wer ich bin? Nur Deine Träne. Ein Stück dessen, dass von einem Engel in Dir leuchtet. Es ist ruhig, es ist still und doch, sehe ich in Dir, wie auch mir, dieses Leuchten nur. Du bist die Flamme, Du bist das Licht, aber vor allem, meine Liebe. Denn ich bin wie Du, … ich bin Du, ein Teil von Dir nur, mehr nicht.

Die Worte verstehend, da schläfst Du nur tiefer ein. Sinkst hinab in die Träume, die Dir wieder Hoffnung und Glauben schenken. Denn Du weißt, dass Du es darfst. Du brauchtest nur einen Weg, eine Tür, die Dich zu dem wertvollsten führt, dass Du finden konntest. Deinem Innern, Deinem Ich .. zu Dir. Du brauchtest … nur eine Träne. Und sie fand Dich.

Ein Moment, eine Sekunde nur, die Dir von nun an auf ewig zur Verfügung steht. … Für immer, nur als das Deine.

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