Erhöhte Emotionalität bei Schriftstellern – Der Mythos

Schriftsteller sind empfindsamer, haben mehr Emotionalität. Das wird an jeder Ecke gepostet, in den Nebensätzen eingebunden, und manche Berühmtheit hat dies schon selber zugegeben. Ist da was dran? Oder nur ein Mythos? Oder erklärt sich das nicht eigentlich von selbst?

Die Emotionalität

Nur wer fühlt, kann auch Gefühle beschreiben. Und wer besser schreibt, der fühlt auch mehr? Ein kleines Wortspiel, dass sich selber gewissermaßen Sinn verleiht.

Wenn man sich manche Gedichte anguckt, gerade die, die sich mit Trennung und Liebe beschäftigen, so fällt auf, dass sie genau ins Herz treffen. Das macht einen guten Text, eine gute Lyrik in meinen Augen aus.

Sie trifft im Leser genau das, was ihn anrührt. Unter Umständen sogar, ohne das richtige Wort, ein klares Bild zu benutzen. Eher in Phrasen, die jeder nachempfinden kann, in Vergleichen, die man nur im Herzen selber stellt, lässt sie einen fühlen, was genau die Botschaft ist.

Und das geht nur, wenn man fühlt. Da der Schriftsteller natürlich auch ein Mensch ist, fühlt er wie jeder Andere. Aber will er Gefühle vermitteln, so muss er die Fähigkeit haben, sie stärker fließen lassen. Und das durch Worte, die nur aus Buchstaben besteht und im Grunde gar nichts aussagt, als eine Botschaft. Über den Verstand erklärt heisst das, er muss Gefühle verstehen können, sie gewissermaßen abrufen können, um über sie schreiben zu können.

Die Beobachtungsgabe des Schriftstellers

In jungen Jahren habe ich mal im Beisatz einer Anleitung zur Schreiberei gelesen, dass man lernen muss, genau zu beobachten. Man muss einen eigenen Abstand zu den Dingen, Menschen, Momenten, entwickeln, um sie irgendwann wiedergeben zu können. Mienenspiel, das Verhalten vom Alltagsmenschen, in egal welcher Situation. So kann man dann auch irgendwann seine Charaktere durch jede Situation schicken und sie schildern.

Und schult nicht auch eine genaue Beobachtungsgabe eine erhöhte Emotionalität? Wenn ich genauer hingucke, kann ich auch besser mitfühlen, einfühlen und verstehen. Egal welchen Menschen und in welcher Rolle. Man könnte also die erhöhte Emotionalität als Folge eines Trainings sehen.

Das Schreiben und die Gefühle

Versucht man es zu erklären, so scheitert man. Aber ich kann z.B. nur über Liebe schreiben, wenn ich auch liebe. Nur über Hass, wenn ich hasse. Erst dann kann ich es wirklich authentisch wirken lassen. Jetzt kann man natürlich nicht warten, bis man mal jemanden liebt, um eine Liebesgeschichte zu schreiben. Ein Hilfsmittel wäre natürlich die Musik. Sie bringt etwas in uns zum Schwingen, was man benutzen kann. Aber im späteren Verlauf geht man dann darauf über, dass man Gefühle einfach so heraufbeschwören kann, so wie man sie für den jeweiligen Charakter braucht.

Schreiben geht nicht ohne Gefühle. So behaupte ich es. Und manchesmal, wird man sich selber in ein Gefühlskarussel schubsen, bevor man lernt es zu kontrollieren und richtig einzusetzen.

Erhöhte Emotionalität

So richtig kann ich es nicht erklären. Aber aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es wirklich so ist, wenn ich es mir auch sehr oft anders wünschen würde. Wenn ich schreibe, so erwecke ich meine Gefühle und sie geben all zu oft Dingen eine andere Wendung, als ich es selber wollen würde. Und so wie ich es sehe, bin ich eigentlich nicht der Typ für Emotionen. Ob jetzt verstärkt durch das Schreiben und das Beschäftigen damit, oder einfach nur Zufall? Wer weiss das schon? Man wird es mit der Zeit einfach akzeptieren müssen, denn es ermöglicht einem mit dem Stift doch so Manches.

Noch ein Zitat am Schluss, was ich über Twitter gefunden habe, von Schriftsteller:

Gefühle hinterlassen wie Geräusche kleine Echos, wenn sie verstummen. Sie lassen uns ein wenig Zeit, uns von ihnen zu verabschieden.

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