Er sagte – Vampir

Er sagte, dass er mich liebte. Das war mir nichts Neues. Männer behaupten so etwas doch öfter. Sei es als Entschuldigung, als Mittel um unsereins ins Bett zu bekommen. Wir akzeptieren es, wenn wir auch die Antwort zu genau kennen. Was bei ihm anders war? Er sprach es nicht aus.

Es sagte nicht diese drei Worte. Hätte er es getan. So wäre ein Tritt die wirklich passendste Belohnung gewesen. Denn er kannte mich gar nicht. Drei Stunden waren vergangen seit ich in diesen Club gekommen war. Eine Enttäuschung, ein Wesen dieser Gattung, die immer nur den Röcken nachschauen konnte, hatte mich dorthin getrieben. Ich wollte keinen sehen. Nur abschalten und mich mit Hochprozentigem vollschütten. Warum musste sich auch ein jeder, auf den ich mich einließ, als ein Wesen dieser Spezies entpuppen. Gab es keine Anderen mehr? Ich war bereit das zu glauben und unerschütterlich in meiner neuen Entscheidung mich erst mal nicht mehr auf etwas einzulassen.

Und dann kam er. Nein, er sprach mich nicht an. Hätte er es getan, so hätte ich ihn in die Wüste geschickt und als Ziel aller meiner Frustrationen benutzen können. Er hätte es ungefiltert abbekommen und ich hätte es genossen, ihn winseln zu sehen. Aber nein… Er sprach mich nicht an. Er stellte sich neben mich an die Bar und trank in Ruhe ein Bailey`s nach dem anderen. Und ich wartete, ich wartete wirklich lange. Aber kein lahmer Spruch aus irgendeinem schlauen Ratgeber. Überhaupt keine Anmache. Aber auch das passte mir nicht.

War ich ihm nicht attraktiv genug?  Mein Ausschnitt nicht zu tief? Wie konnte er mich nicht angraben wollen? So fasste ich mir ein Herz und sprach ihn an. Ich fragte nach Feuer. Und doch stieg er darauf nicht ein. So musste ich mich herablassen und ihn auf mich aufmerksam machen. Sehr nahe ging ich an ihn heran und beugte mich vor ihm direkt herunter, als ich den Aschenbecher brauchte, der vor ihm auf der Theke stand. Mein Ausschnitt hing ihm schon fast unter der Nase, bis ich eine Reaktion bemerkte.  Er nahm es war. Also nicht schwul. Ich hatte schon meine Befürchtungen gehabt.

Wir kamen ins Gespräch. Und seltsamerweise schien er sich für mich zu interessieren. Er fragte mich viel. … und er nahm Anteil. Als ich von meinem neuen Ex erzählte, sah ich echtes Bedauern in seinen Augen. Wir sprachen viel und ich merkte, wie ich auch seine Stimme in meinem Verstand hörte. Säuselnd, becircend umgarnte sie meine Seele. Und ich wusste eines. Er liebte mich. Woher und warum… Keine Ahnung.  Irrational und vollkommen jeder Regel. Aber ich wusste es einfach.

Wir gingen zu ihm. Er war zu Gast in einem Hotel. Drei Sterne und die Hotelbar voll, wie ich nach den ersten Minuten bemerkte. Vielleicht endlich mal ein Glücksgriff?

Die Stimmung wurde heiß. Wirklich heiß. Ich spielte und reizte ihn extra. Die Küsse wurden tiefer und schon bald versanken seine Lippen in meinem Ausschnitt. Und dann passierte es.

Er veränderte sich. Seine Augen glänzten, seine Zähne schienen wirklich zu wachsen. Ich schob es auf den Alkohol und dachte mir nichts dabei. Dann packte er mich am Hals. Er verbog ihn gegen meine Kraft zur Seite. Ich wehrte mich mit aller Kraft und hatte doch nichts entgegenzusetzen. Ich wurde langsam panisch. Und dann passierte es. Zwei sanfte Einstiche, die mich aufstöhnen ließen. So tief diese Berührung und so voller Erfüllung. Ich wollte mich nicht wehren. Ich konnte es nicht. Meine Hand glitt über das Laken des Bettes, streichelte die glatte Seide. Und dann hielt ich etwas in den Händen. Ich stieß zu. Ohne zu wissen wohin und warum, tat ich es. Er löste sich. Langsam. Und als ich ansah was ich in Händen hielt… Ein hölzerner Stab des Vorhanges, der die Gardinen dieses Hochzeitbettes zusammenziehen sollte. Blut darauf, sehr dunkel. Und er… wie aus Asche… Ergraut und erstarrt mit blitzenden Zähnen, einer Maske des Grauens.

Nur mit den Fingerspitzen berührte ich ihn und er zerfiel. Ich rannte… Rannte wie noch nie in meinem Leben. Die Hand auf einer blutenden Wunde, die ich nicht zuordnen konnte.. in die Nacht hinaus.

Jetzt? … Tage später? … Es ist wieder Nacht und ich fühle mich an diesen Moment erinnert. Ich weiß, dass ich mein Leben gerettet habe. Warum ich es instinktiv richtig gemacht habe? … Ich weiß es nicht. … Schicksal. Glück?

Nun sitze ich wieder an der Theke. Er sitzt neben mir. Straft mich mit Nichtachtung. Er ist von seiner Freundin verlassen worden. Für einen anderen. … Er fühlt sich verletzt und gedemütigt. … Ich sende ihm etwas.

Er spricht mich an. Er denkt ich liebe ihn. … Wenn ich das noch könnte. … Diese eine Nacht. … Ich kann nicht mehr lieben. … nur noch trinken. … Ich bin so durstig. … und ich weiß, ich werde es immer sein.

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