Eine Geschichte erfinden – Die reale Fiktion

Wie man eine gute Geschichte schreibt? Wie man einen Ablauf, eine Story erfindet, die Charaktere und das Umfeld dazu? Und das so, dass es glaubwürdig erscheint? Im Grunde ist es nicht schwer, denn das Geheimnis steckt in einem Paradoxon. Erfinden Sie nichts. Lenken Sie nur.

Die glaubwürdige Fiktion

Wie erschafft man also eine Geschichte? Sie möchten es selber machen, haben vielleicht schon etwas im Kopf, wissen nur nicht wie Sie entstehen lassen sollen? Ok, der Anfang ist der schwierigste Teil. Lebt die Person, Ihr Hauptcharakter einmal, so wird es leichter.

Das Geheimnis einer glaubwürdigen Geschichte, und dabei ist es egal, ob sie sich um das Übernatürliche rankt oder den schnöden Alltag, ist dass sie im Grunde nicht erfunden ist. Sie ist zwar erfunden, aber möglich. Es wäre möglich, dass es genauso ablauft, dass ein Verlauf sich genauso entwickelt.

Der Anfang ist im Grunde das Schwerste, deswegen versuche ich es Ihnen bildlich zu machen, sofern möglich.

Der Anfang

Im Grunde ist für den Anfang nicht die Geschichte ausschlaggebend, sondern der erste Moment. Sie brauchen eine Person, die sich in einer Situation befindet von der Sie starten können. Ich habe hier auf der Seite so einen Einstieg, sie betitelt als Kurzgeschichte, auch wenn das nicht so stimmt. Es ist der Anfang, aus dem ich eine Kurzgeschichte oder auch einen ganzen Roman entwickeln könnte.

Springen Sie kurz rüber: Model – Welt des Glitter

Was passiert? Eine Person sieht sich im Spiegel. Das ist der Einstiegsmoment. Ich habe mich für ein Model entschieden, also noch Parfums und Schminke in das Umfeld reingepackt. Die passenden Gedanken, die der Charakter beim Anblick hat.

Aber es könnte auch ganz anders sein. Es könnte sich um einen Mann halten, der sich im Spiegel betrachtet. Vielleicht noch eine Bahnhofstoilette. Und wie spinnen wir es dann weiter? Sagen wir, ich wollte über Werwölfe schreiben. Was macht ein Mann dann auf einer stinkenden Bahnhofstoilette? Hat er sich dorthin geflüchtet? Muss er sich verstecken? Wird er verfolgt oder hat er etwas an sich, dass niemand sehen soll? Was könnte es sein? Blut vom letzten Opfer? Wie ist dann sein Zustand? Wenn er gerade ein Opfer gerissen hat und dagegen ankämpft, dass das Ungetüm weiter Kontrolle ausübt? Sehen Sie was wir machen?

Wir erfinden keinen Menschen. Wir erfinden in dem Sinne keine Geschichte. Wir nehmen uns einen Ort und eine Person, dann bestimmen wir die Rahmenbedingungen und daraus bildet sich dann ein Einstieg, von dem wir weiterverfahren können. Probieren wir es jetzt einfach mal.

Eine Maske blickte ihm entgegen. Eine Maske, die eine Bestie versteckte, die gerade wieder gemordet hatte. Er fing etwas Wasser mit der hohlen Hand auf und schüttete es sich ins Gesicht. In einer leichten rosafärbung floß es zurück in den Abfluß. Das Blut in seinem Gesicht verschwand. Die Maske verschwand langsam und wich den Zügen eines schweratmenden Mannes. Die Augen waren noch gelb, aber langsam kristallisierte sich auch dort ein helles blau heraus. Der Duft von altem Urin stieg ihm in die Nase und er rümpfte sie. Die Geruchssinne waren noch stärker als sie sein sollten, aber das war nur eine Frage der Zeit, bis auch sich dort ein menschlicher Zustand wieder einstellte. Ein menschlicher Zustand. Wie sehr wünschte er sich den zurück. Doch seit der Verwandlung wurde es immer stärker. Der Biss war gerade ein paar Tage alt und schon jetzt entzog sich sein Körper dem eigenen Willen. Noch zwei Tage bis Vollmond, dann wäre das Tier in ihm voll ausgewachsen, stark und noch schwerer zu kontrollieren.

Schneiden wir hier. Wie könnte man dann fortfahren? Er setzt sich eine Pistole an den Kopf und versucht sich zu erschießen. Die Waffe vom Polizisten, den er gerade getötet hat. Er zieht es durch und landet im Krankenhaus. Natürlich überlebt er und die Wunde ist in ein paar Stunden verheilt. Was könnte weiter passieren? Er versucht natürlich zu verschwinden, will keine Aufmerksamkeit. Vielleicht ein Kidnapping, eine Geiselnahme? Er im Konflikt zu retten oder zu verschwinden?

Sehen Sie? Wir nehmen einfach eine Person und fragen uns was sie machen könnte. Die Geschichte bildet sich von selbst. Ein bißchen Kreativität vorausgesetzt.

Der Fluss einer Geschichte

Ich habe schon öfter gelesen, dass Autoren sich Vorgaben schreiben, wie ihr Charakter sich zu verhalten hat. Er wird es auch genauso tun und die Geschichte so antreiben, dass sie logisch erscheint und dem Muster folgend auch so verläuft.

Ich mache es ein bißchen anders. Ich habe meine Geschichte im Kopf, den Ablauf und das Ziel wo ich hin will. Aber den Weg bestimmt mein Charakter alleine.

Ein Beispiel aus meinem Roman. Ich wollte, dass Azralot Rose begegnet. Wie hatte ich keinen Plan. Und so schrieb ich einfach über das Cafe und die Story schrieb sich selbst weiter. So hatte ich es eigentlich überhaupt nicht geplant. Es sollte eigentlich anders verlaufen. Ich hatte erst gedacht, er sollte einen Unfall haben und dann sie treffen. Aber mein Charakter wollte es anders und so ist es nun. So schreibe ich.

Ich habe nur den Rahmen und die Geschichte bildet sich von selbst, wenn ich in den Charakter einsteige. Denn ich schreibe nicht als Autor, sondern als der Charakter selber. Ich bin nur das Medium, dass die Worte abtippt, während ich in den Moment eintauche, in den Charakter. Das sehe, was er sieht, das höre was er hört und seine Gedanken habe. Und aus den Eindrücken, die dann entstehen, bildet sich von selbst ein Ablauf, der tausend mal besser ist, als das, was ich mir so, außerhalb des Schreibens ausdenke.

Natürlich gehe ich nicht mit leeren Verstand ans Schreiben. Ich halte es da, wie wohl Schauspieler auch. Ich stelle mir den Moment einfach vor, lese nochmal, was gerade passiert ist und tauche dann wieder ein. Für mich ist es gleichermaßen ein Wunder, wie auch unglaublich, zu sehen, wie es funktioniert. Wenn ich ehrlich bin, habe ich jedes Mal Zweifel, wenn ich mich an meine Geschichte setze, und dann gucke ich mir nachher an, was da wieder gelaufen ist und bin selber verwundert. Aber an einen Rahmen halte ich mich schon. Die Geschichte soll ja im Groben so verlaufen, wie ich es geplant habe. Nur die Kleinigkeiten, die genauen Umstände, die überlasse ich dem schreibenden Moment.

Verstehen Sie was ich meine? Es bringt nichts, sich eine Geschichte auszudenken und einen Charakter in eine Rolle einzufügen, der sich dann genauso verhält, wie er es soll. Kein Mensch ist ein Stereotyp. Er kann einsehen, willkürlich etwas entscheiden und was ganz anderes machen. Wollen Sie es authentisch und flüssig, so muss eine gewisse Freiheit in einer Geschichte sein. Das unterscheidet sie dann von einer 08 – 15 Geschichte, die sich jeder ausdenken kann.

Die Fiktion

Egal aus was für einem Umfeld. Soll eine Geschichte interessant sein, so muss sie glaubwürdig und nachvollziehbar sein. Im Grunde ist alles möglich, sofern es logisch erscheint.

Das Geheimnis einer guten Fiktion ist, dass sie nicht erfunden ist. Man muss selber so viel Realität hereinpacken, dass es nur ein Teil ist, der erfunden ist.

Es gibt Momente, Umstände, die sie besser kennen als jemand anders. Benutzen Sie das und schicken Sie einfach den Charakter hinein und lassen Sie ihn das sehen, was Sie selber schon erlebt haben. Das vereinfacht den Einstieg am Anfang.

Was noch am Schluss? Schreiben, schreiben und im Kopf alle möglichen Querverstrebungen durchdenken, die möglich wären. Irgendetwas passt immer.

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