Die Theorie ist das schönere Übel – Das falsche Selbstbild

Warum ist es eigentlich so einfach, alles in der Theorie zu analysieren und zu verstehen, aber in der Praxis stehen wir dann vor Problemen, die wir einfach nicht überwinden können?

An für sich ist es eine Frage, die wenig Sinn zu machen scheint. Oder ist es eine Frage, die jeder beantworten kann? Es ist einfach zu philosophieren, den Problemen auf den Grund zu gehen, auseinander zu nehmen, zu zerpflücken. Aber wenn es dann an die Durchsetzung kommt, dann scheitern wir. Warum?

Die schöne Theorie

In der Theorie können wir etwas vorzeichnen, eine Folge von Handlungen festlegen. Wir malen es uns aus, planen so richtig schön im Vornehinein und sind damit auf jede Eventualität vorbereitet. Schön anzuhören, nicht wahr?

Die noch schönere Praxis

Aber kommt es dann zur Durchführung, dann sehen wir uns mit Problemen konfrontiert, die wir gar nicht mit einbezogen haben. Und das, obwohl wir doch so schön alles mit eingeplant haben.

Natürlich wäre es schön, alles auf Zufälle zu schieben. Die höheren Mächte und die Gottheiten, die sich einen Spaß daraus machen uns kleine Figuren hin und her zu schieben.

Aber der einzige Knackpunkt bei unserer Planung, der das Gelingen verhindert, sind wir einfach selber.

Die unbekannte Größe – Das Ich

Wenn wir uns etwas vornehmen, was an für sich ja schon schwer zu sein scheint, denn sonst müssten wir es ja schließlich nicht planen, dann hoffen wir ganz sicher auf das Gelingen. Und haben wir es bis in das kleinste Detail durchgedacht, so sollte es ganz einfach gelingen.

Manch einer wird es einfach Gefühle nennen, was nicht mit einbezogen wurde. Ich nenne es das Ich. Denn es sind nicht nur Gefühle, es sind gleichermaßen auch Erinnerungen und Gedanken, die erst Einfluß auf die vorherrschenden Emotionen einer Situation haben. Und obwohl wir uns selber doch so sehr am Besten kennen, sollten wir doch wissen, wie wir reagieren, was für Steine wir uns selber in den Weg legen?

Tja, so sollte es sein. Aber es ist in Wahrheit nie so.

Das falsche Selbstbild

Das lässt für mich eigentlich nur einen nicht schönen Schluss zu.

Wir belügen uns selber, wenn es darum geht, wie wir selber sind. Und das ironische daran? Wir müssen eigentlich niemandem etwas beweisen, keinen Anforderungen gerecht werden. Und doch gestehen wir uns selber nur ungerne, wenn nicht sogar gar nicht ein, dass wir Schwächen und Fehler haben. Wir halten uns selber für stärker, als wir in Wirklichkeit sind. Und falls Sie sich jetzt angegriffen fühlen, so dürfen Sie einsehen, wenn Sie es wollen, dass Sie damit absolut nicht alleine sind. Wir, ja ich sage wir, sind alle so.

Der unmögliche Plan

Das heißt, wir machen einen Plan, der, weil wir nicht alles sehen wollen, überhaupt nicht funktionieren kann. Tja, und das ist doch wirklich zu menschlich, nicht wahr?

Die Theorie – Das schöne Übel

Oft erlebt man, dass die schönen Wissenschaften ganze Bücher an Abhandlungen, ganze Untersuchungen veröffentlichen und man doch erkennen muss, dass sie absolut am Leben vorbei sind. Es gibt eine breite Kluft zwischen der analytischen Untersuchung und der Praxis. Man stellt sich die Frage, welche Gesellschaft da überhaupt untersucht wurde?

Ich werde mich jetzt nicht in politische Themen einmischen, nicht auf einen direkten Zweig unserer Wissenschaften eingehen, das ist nicht mein Ziel. Ich will nicht angreifen, nur verständlich machen, was jeder sehen sollte. Und vielleicht früher oder später auch verstehen. So ist auf jeden Fall meine Hoffnung.

Mir kam schon in früheren Jahren immer der Gedanke, dass da einfach der Faktor Mensch übergangen wird. Die Schwächen, die Gefühle und vor allem die fehlende Fähigkeit zum Roboter zu mutieren. Und ziehe ich jetzt meine verqueren Vorüberlegungen dazu, dann verstehe ich die Ursache des Problemes.

Bezieht man die Menschlichkeit, die Fehler und Schwächen einfach nicht ein, so kann aus der Theorie keine Praxis werden. Aber im Grunde ist das auch genau der Unterschied zwischen Beidem. Das heißt, eigentlich kann aus einer reinen Theorie keine Praxis werden. Und wenn das nicht möglich ist, dann ist jede Planung schon im Vorne hinein zum Misslingen verdammt, egal ob man die ungenutzten Faktoren einbezieht oder nicht.

Tja, dann gibt es nur eine Frage am Schluss, deren Antwort ich Ihnen gerne überlasse.

Warum planen wir überhaupt noch? Warum stützen wir uns so sehr auf Theorien, die uns in der Praxis im Rohmaterial gar nichts nützen können? Man braucht also noch einen Übersetzer von der Theorie zur Praxis.

Warum dann nicht direkt nur Praxis?

Lies doch mal