Die Stimmen (m)einer Stadt

Am Morgen, da erheben sich die Vögel zwitschernd in die Höhe, schütteln ihr Gefieder aus, wenn die Sonne noch feuerrot ihre Strahlen in die Stadt schickt. Einer Decke gleich, bettet sich das warme, unscheinbare Licht über die noch kalten Ziegel der Dächer und kündet das erste Licht so an, das sich Betriebsamkeit nennt.

Das Geplärre technischer Wecker vermischt sich mit dem noch zaghaften Hupen von Autos, den aufglimmenden roten Rückleuchten der Transportmittel, die einer Herde gleich sich in ihre Bahnen fügt. Die Bewegung noch monoton, im Zufall und doch auch festem Ziel, geht es zurück, vorwärts und dann auch nur still. So fließen die Adern meiner Stadt, so erwacht am Morgen ein erster Takt an noch nur müder Betriebsamkeit.

Passanten, von oben und aus der Ferne, nur alle gleich, sind sie doch nur die stillen und grauen Mäuse, die durch die Winkel der Gassen schlüpfen. Dort ein noch verträumtes Gesicht, der Nachklang eines Lächelns. Noch immer hallt der Morgenkuss des Geliebten auf ihren Lippen nach und lässt den kalten Hauch der Morgenstunden durch das Innere verschwinden. Im anderen Winkel, ebenso noch grauer Gasse, sehen und erblicken sich zwei, in Augen und Blicken, gucken an und dann nur wieder ab. Sie werden und haben, sich treffend bis dato auch immer nur angeblickt. Irgendwann, in Zukunft vielleicht, ergibt sich dann hier eine Zweisamkeit. Manch Weiterer der sitzt auf der Bank eines ausgestorbenen Spielplatzes, der auf die Kinder zu späterer Stunde ausharrt. Auch hier, sind es die Gedanken des Inneren, die ein Lied anstimmen. Mal sorgenvoll, mal trauernd, mal zaghaft und dann doch mit dem Beigeschmack von nur einem Hauch an Hoffnung. So künden die stillen Lieder, die dass Innere für ein Selbst nur singt, den Beiton eines Tages an. Ein mancher der hört, ein andrer vergisst, der nächste überhört. Das Lied nur, egal der Melodie, es nur, das kümmert es nicht.

Auch ich, bin einer der Wenigen, die zu dieser Stunde durch die Straßen eilen. Ohne Ziel, ohne eigenes erschaffenen Sinn, ist es die Muße, die mich durch die Gassen treibt. Ich blicke, ich schaue zu. Ich höre und im Beilauf, da beobachte ich. Den Strom, der sich durch den Hauptbahnhof schiebt. Das Flüstern, das Wispern, hunderter Stimmen, Gedanken und ganz nur selten auch dem stillen Lied eines fröhlichen Herzens. Am Eingang verharre ich. Ganz hinten, dem Ausgang gleich, sitzt ein Jemand, der auch wenn Musiker, sich einer Kunst verschrieben hat, die die Töne für so manche Münze anschlägt. So klimpert im Beitakt im Ab und an, ein Euro zu dem Musikinstrument dazu. Dem Musiker, der Seele, dem reicht es so.

Ich bin nicht anders als Du, nur manchmal, da höre ich zu. Denn auch wenn niemals direkt jemand von den Fremden mit mir spricht, so trägt er doch immer sein eigenes Lied. Ob er sich nun traut, es mir zu offenbaren, oder sich tief in der Jacke vergräbt? Die Wahl, die Entscheidung, trifft ein Jeder nur selbst. Denn ich bin ein Fremder an Wesenheit, genau wie Du nur ebenso in Ferne verbleibst. Wir gehen aneinander, nebeneinander und in den Kreuzungen so mancher Wahrscheinlichkeit auch selten zueinander. So spielen die Kreisel der Zufälligkeit mit der einzig Kleinen an Menschlichkeit. Zum Morgen, zur Nacht. Zum Mittag und auch Geisterstundes Wacht. Die Stadt nur spricht im ewigen Ton ihrer eigens und niemals klaren Stimme. So hört man, oder tut es nicht. So sieht man und erblickt doch manchmal nur nichts, als einzig so manch fremdes und auch freundliches Angesicht.

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