Die Macht der Frauen

Oder – Das Ränkelspiel der Geschlechter. Als Mann sind Ihnen solche Situationen sicher bekannt. Eine Kleinigkeit, die Frau sich in den Kopf gesetzt hat und die sie gegen ihren eigenen willen dann letztendlich wirklich machen. Ob sie es nun wollen oder eigentlich nicht. Als Mann kann man sich da eigentlich nur fragen: “Warum? Wie kann es ein, dass Frauen letztendlich immer ihren Willen bekommen und schlimmer noch auch noch Recht behalten?

Es ist fast ein psychologischer Schachzug, der den Weiblichkeiten unserer Zeit wie angeboren erscheint. Dieser Artikel beruht auf einer Situation, in der eine wirklich unbedeutende Kleinigkeit um die horrende Summe von 89 Cent zu einem grundlegendem Schlagabtausch wurde zwischen Mann und Frau. Jede Kategorie wurde gezogen, jede Masche probiert und das wahrscheinlich nicht mal mit Absicht. Aber lesen Sie selber.

Als Anmerkung vorher.

Dieser Artikel richtet sich nicht nur an die männlichen Surfer. Auch Frauen begrüsse ich recht herzlich und möchte gerne betonen, dass der Artikel nicht frauenfeindlich ist, sondern auch für unsere geliebte weibliche Spezies mal ein Thema zum Nachdenken. Und sehr gerne hätte ich Kommentare von gerade denen, auch wenn die unter Umständen von aufgebrachter Natur sind.

Aber genug drumherum. Fangen wir an.

Ich arbeite im Einzelhandel, bin Vertretung der Filialleitung. So viel zum drumherum, damit Sie die Atmosphäre nachvollziehen können.

Der Lieferschein in der linken Hand, den Stift in der rechten blicke ich auf einen Rolli voll Ware. Im Moment bin ich ganz darauf konzentriert einen Fehler in der Lieferung zu entdecken, um reklamieren zu können. Leider hatte ich bis jetzt noch keinen entdecken können. (Sehr wahrscheinlich taucht auch gar keiner auf. Kontrollieren muss ich trotzdem, denn übersehene Fehler die sich summieren und dann auch in die Tausende gehen können, versauen uns die Marktinventur. Und das gibt Ärger von höherer Stufe.)

Sie betritt das Lager. (Ich nenne sie extra nur sie oder später auch Frau um es allgemein zu halten.)

Sie fragt mich, was sie machen soll. Ich gebe ihr eine Aufgabe. Sie nickt, ist einverstanden. Dann sagt sie, dass sie sich noch etwas zu trinken holen will. Ich nicke nur, bin ich doch voll bei meiner Fehlersuche. Sie fragt mich, ob sie mir was mitbringen soll. Ich überlege. Nach kurzem hin und her schieben der Gedanken, halte ich das für eine gute Idee. Natürlich sage ich erstmal: ” Nein.” Könnte ich es mir doch auch später selber holen und muss sie das nicht extra für mich machen.

Sie blickt mich an, nachdem sie aufgehört hat in ihrem Portemonaie nach Kleingeld zu suchen. Das Klimpern der Geldmünzen erstummt. Sie fragt mich: “Sicher?” Ich blicke sie an, dann sage ich:”Ok.”

Sie scheint befriedigt und klimpert weiter in ihrer Geldbörse. Sie fragt mich was ich will. Ich überlege mal wieder. Der Backofen in unserer Backecke piepst. Sie legt ihre Geldbörse zur Seite und huscht zum Backofen. Während Sie die gebackenen Brote, Baguettes und Brötchen in die Schütten und Fächer legt, hole ich ebenfalls mein Portemonaie heraus. Ich hole ein zwei Euro Stück heraus.

Lak0nisch werfe ich ihr meine Antworten zu. “Etwas was flüssig ist. Ohne Kohlensäure, das schmeckt.” Sie kommt aus der Backecke und fragt mich nochmal, was ich denn will.

Ich wiederhole, was ich gerade schon gesagt habe und gehe auf sie zu, um ihr die zwei Euro zu geben. Sie winkt ab und fragt mich stattdessen noch einmal was ich trinken will. Natürlich lasse ich das nicht auf sich beruhen und will ihr das Geld geben, aber sie weigert sich, es zu nehmen. Stattdessen wiederholt sie die Frage, nur anders formuliert.

So leicht lasse ich mich natürlich nicht abwimmeln, denke ich mir und komme mit einer schlauen Idee um die Ecke, wie ich glaubte.

“Wenn Du das Geld nimmst, sage ich Dir, was ich will.”Ich lächel sie an, denke ich doch ich hätte einen klugen Schachzug gemacht. Sie lächelt zurück und sagt: “Ok.” Sie nimmt das Geld und sieht mich an: “Und, was willst Du?”

Ich sage ihr, was ich will uns sie macht sich auf den Weg in den Laden. Aber nicht, ohne eine Abbiegung in das Büro zu machen. Ich sehe nicht was sie macht, aber es schiesst mir durch den Kopf. “Nein. Nicht wirklich. Du hast jetzt nicht…..”

“Doch.” Sagt sie und geht in den Laden. Ich gehe ins Büro. Und was sehe ich da? Die zwei Euro liegen blank poliert auf meinem Schreibtisch.

Das wäre der Punkt gewesen, wo ich hätte aussteigen und einfach akzeptieren sollen. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich so einfach alles hinnehmen und akzeptieren würde. Und ganz sicher nicht, wenn ich mich entschieden hatte, für mein Getränk selber zu bezahlen. So leicht würde ich mich nicht geschlagen geben.

Sie kam also mit den Getränken von der Kasse zurück und stellte sie auf den Schreibtisch. Jedes einzeln mit Bon, wie es unsere Vorschriften verlangten. “Du musst dann noch unterschreiben.” Sagte sie mir mit einem bezaubernden Lächeln.

Ich grummelte nur: “Ja, mache ich gleich.” (Muss doch jeder Personaleinkauf vom Filialverantwortlichen unterschrieben sein.) Dann ging sie an die von mir gestellte Aufgabe. Sie hatte im Moment gesiegt, so viel war sicher. Aber ich konnte und wollte mich nicht so leicht geschlagen geben.

Ich nahm also wieder das zwei Euro Stück, nachdem ich die Bons unterschrieben hatte. 89 Cent kostete mein Getränk.

Ich ging zu ihr und hielt ihr das Geld hin. Aber sie weigerte sich weiterhin, es anzunehmen. Dann wollte ich es ihr einfach in die Tasche stecken, aber sie wehrte ab. Für den Moment musste ich aufgeben. Ich konnte nichts gewinnen. Hielt ich es anfangs noch für bloße Alberei, so wurde mir jetzt langsam klar, dass es hier um ein Kräfte messen ging. Wer gewann und wer setzte seinen Willen durch.

Ich ließ es auf sich beruhen und ging zur Kasse. Eine andere Kassiererin hatte geschellt, weil wahrscheinlich wieder irgendwas los war. Ein Fehler, eine Kundenbeschwerde, explizite Nachfrage, wo ich wohl gefragt war. Es handelte sich nur um den bloßen Einsatz meines Storno Schlüssels, da der Kunde sich verkalkuliert hatte und zu wenig Geld dabei hatte.

Als ich wieder zurück ins Lager kam, blickte sie mich an und fragte: ” Du hast jetzt nicht wirklich geguckt, wie teuer das war?”Meine Antwort: “Nein. Habe ich nicht. Steht ja auf dem Kassenbon.” Das musste sie zugeben und widmete sich wieder ihrer Aufgabe.

Wir arbeiteten beide im Lager. Natürlich musste ich immer wieder auf das Thema zurückkommen und hakte nach, machte Bemerkungen. Ich fragte, warum sie es nicht einfach annahm. Wo das Problem sei? Sie antwortete nicht direkt, sondern drehte den Spiess um und fragte mich, warum ich es nicht einfach so lassen konnte. Wo das Problem dabei war?

Da roch ich den Braten noch nicht und wir diskutierten nebenher weiter. Natürlich lächelten wir uns immer an, bei unserem kleinen Schlagabtausch. Wir kamen auf die Themen der Sturheit, und wie stur ein jeder von uns sei. Sie sagte, sie sei Steinbock und erst recht stur. Ich sagte, ich würde niemals nachgeben, wenn ich mich für etwas entschieden hatte. Normalerweise sei mir so etwas egal, aber wenn mir jemand widersprach, dann erst recht. Das verstand sie, sei sie doch auch so. Ich sagte, es sei ein Ding von Ehre, wenn ich mit einer Frau ausgehen würde, bezahle ich als Mann. “Warum? Ist doch kein Ding wenn die Frau bezahtl.” Ihre Antwort.

So ging es fast eine Stunde weiter und wir zogen Parallelen in jeden Bereich, wo man nicht nachgebe, stur sei, wie man sich durchsetze und wie auch andere klein beigaben, weil man eben nicht den Schwanz einzog.

Dann musste sie schließlich zur Kasse, weil eine andere Kollegin Feierabend hatte. Sie rauchte sich noch kurz eine und ich mit ihr. Wir redeten erst nicht. Doch dann schnitt ich das Thema wieder an und sagte: “Ich tue Dir das Geld einfach in Deine Tasche, wenn Du an der Kasse bist, und Du merkst es nicht.

Sie blickte mich an: “Wehe Du tust das. Dann bin ich zickig. Ich kann schlimm sein.” Ich lächelte nur und hakte nach, warum sie es nicht einfach annahm?

Sie drehte es um. Warum ich es nicht einfach annahm? Sie wollte mir doch nur einen Gefallen tun und ich machte so eine Aufstand daraus. Hätte ich das einfach akzeptiert, wäre es doch gar nicht so ein Problem.

Ich musste lachen. Typisch Frau. Funktioniert es nicht so, mach dem Mann ein schlechtes Gewissen und er gibt klein bei. Sie war entrüstet und warnte mich davor, es auf diese Weise zu tun. Sie könne echt stinkig sein. Sie musste zur Kasse.

Und mit einem Mal wurde mir klar, wie ich sie dazu bewegen konnte, das Geld anzunehmen. Es gab noch eine Frau im Laden, die ich benutzen wollte. Vor ihren Augen ging ich also zu ihr. Ich unterbreitete ihr mein Angebot:

“Ich gebe Dir 89 Cent. Gib die Deiner Kollegin. Wenn sie die nicht haben will, behalte sie.” Ich dachte, damit habe ich sie. Nimmt sie doch eher die 89 Cent, als die einer anderen Kollegin zu überlassen. Ein bißchen auf die Wertigkeitsschiene, so mein Gedanke.

Dass ich mich geschnitten hatte, wurde mir kurze Zeit später klar, als die Kollegin zu mir kam, die 89 Cent unabgeliefert und auch nicht behalten mir einfach in die Tasche steckte und sagte: “Du gewinnst nicht.”

Ich hatte die Frauen Solidarität nicht mitberechnet. Ein großer Fehler. Über den genauen Umstand war die Kollegin gar nicht aufgeklärt worden. Sie hatte ihr nur gesagt, “Die Männer gewinnen sonst.” Das reichte wohl für die Entscheidung gegen mich.

Das Ende vom Lied? Sie bestrafte mich mit dem bösesten Blick, den sie aufbringen konnte. Später, bei ihrer Kassenabrechnung sagte sie mir, wie könne ich das Geld einfach einer anderen Frau geben? Eifersucht. Daran hatte ich nicht gedacht.

Und wie ich an ihren Bemerkungen sehen durfte, war sie wirklich stinkig. Hielt ich es bis Dato noch für ein Spiel, so nahm sie es mitlerweile persönlich und strafte mich, wo sie nur konnte. Trotzdem konnte ich nicht einfach aufgeben.

Gewinnen konnte ich nicht. Das wurde mir mitlerweile klar. Nahm ich die Angelegenheit als gegessen an, hatte ich verloren. Machte ich es nicht, so war ich wohl auf ewige Zeit verteufelt. Auf jeden Fall so lange, bis sie es vergessen hatte. Und dass sie nachtragend war, hatte sie mir vorher schon klar gemacht. Also müsste ich mich entschuldigen. Da wurde es mir klar. Ich hatte nie eine Chance. Ich konnte von Anfang an nur verlieren. Egal, was ich tat, ich hatte die Arschkarte. Ich sagte es ihr. Und sie sagte, ich solle es einfach akzeptieren. Natürlich zog ich die Parallele zur generellen Frauenwelt. Aber was ich auch sagte, es führte zu neuen Diskussionen und zur Kräftemessen.

Aber ich konnte mich trotzdem noch geschickt aus der Affäre ziehen und die Männer nicht verlieren lassen.

Wie?

Ich zog den Faktor X mit rein. Das Unbekannte. Sie wusste nicht, was ich gemacht habe und was nicht. Und das legte ich ihr vor, als sie zum Abschied sagen wollte, sie habe gewonnen. Ich sagte, sie wisse doch gar nicht, ob ich ihr das Geld in die Tasche gelegt hatte, und das wusste sie wirklich nicht. Mein Angriffspunkt. Der Zweifel.

Sie hatte gewonnen, auf ganzer Linie. Aber durch die Ungewissheit, was ich getan hatte oder nicht, konnte sie nicht triumphieren und das ärgerte sie. Natürlich sagte ich, sie habe gewonnen, aber sie wisse ja nicht, was ich getan habe. Und so wurde ihr Gewinn nur von einem unbekannten Faktor abhängig, den auch die Wahrheit nicht klarmachen konnte. Denn wusste sie, ob die Wahrheit nicht eine Lüge wahr um irgendetwas zu verschleiern?

Das Ende vom Lied?

Sie ging unbefriedigt und mit der Drohung, falls ich ihr das Geld in die Tasche getan hätte, würde sie nicht mehr mit mir reden. Und ich sei selber schuld daran. Natürlich bemerkte sie noch nebenbei, wie unfair es wäre, dass alle sie nur verarschen wollten. Als ich bemerkte: “Alle Männer.” Sagte sie nur, dass sie nicht alles aussprach, was sie gedacht habe.

Ihr Abschied?

“Trotz allem einen schönen Feierabend.”

Wieder der Vorwurf, wie böse ich doch gewesen sei, wie sehr ich ein schlechtes Gewissen verdiene.

Das Fazit von allem?

Ich hatte schon verloren, bevor das Spiel behaupt angefangen hatte. Ich wusste es nur noch nicht. Die Kunst besteht für uns Männer einzig und allein darin, sich gekonnt aus der Affäre zu ziehen. Ob wir uns was zu Schulden kommen lassen haben, oder nicht. Wir haben verloren bevor der Wettkampf begann.

Unfair sage ich nur. Ein schwaches Geschlecht, das seine angebliche Schwäche professinell ausnutzt. Aber trotzdem können wir nicht ohne es. Und schon gar nicht, ohne diese kleinen Spielchen. Machen sie das Ganze doch erst richtig interessant. Ob wir nun gewinnen oder wie meist, gerade nicht.

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