Der wahre Wert eines Lebens

Was ist es, dass in einem Leben wirklich zählt? Was gibt uns Kraft und Motivation, fast hundert Jahre durchzuhalten? So vieles zu ertragen und dennoch nie aufzugeben? Unendliche Male zu stolpern und sich doch immer wieder aufzurichten? Was hat diese Kraft?

Ist es unser Materialismus? Das Geld, der Wert, den wir erreichen wollen, von dem wir träumen? Statussymbole, Reichtümer, die wir zur Schau tragen können und beweisen, was wir alles schon erreicht haben . Aber was bedeuten sie in einer Zeit, wo Materialismus gleichbedeutend ist mit Schulden? Was durch Angespartes erreicht werden kann, das ermöglicht unser Bankensystem schon lange auch durch Schulden. Schulden hat jeder, oder auch jeder schon einmal gehabt. Die wenigsten gehen in diesem Bereich clean durchs Leben.

Würde es aber dann nicht bedeuten, dass wenn man alles verliert, alles was man angesammelt hat, dass man dann auch seinen Weg verliert? In vielerlei Hinsicht passiert genau das, viel zu oft. Schicksalsschläge, Brände, Arbeitslosigkeit, nehmen das, was man als sein ruhiges Bett in der Hinterhand hatte. Man ist verloren, sucht und manchesmal wird einem geholfen.

Finanzsanierungen, günstige Konditionen zum Ratenkredit. Sie lassen einen wieder einkehren. Einkehren in eine oberflächliche Betrachtungsweise, die für den leicht zufriedenstellenden Verstand Frieden bedeutet. Man erholt sich aus so einem Loch wieder und fängt an mit vermögenswirksamen Leistungen, Sparplänen und der Altersversorgung an. Nie mehr will man in so ein Finanzloch. Verständlich, nicht wahr. Man nehme so einem Menschen wieder alles. Was passiert? Wird er wieder anfangen alles zurückzuerobern? Sich wieder seinen alten Status zurückholen? Ganz sicher wird er das? Aber wann wird er nachdenken? Wann wird er erkennen, dass wenn etwas so leicht zu verlieren ist, dass es dann vielleicht gar nicht zählt? Und selbst, wenn er das erkennen sollte, warum gibt er dann nicht auf? Warum ergibt er sich dem Schicksal nicht einfach, dass ja augenscheinlich ihm Steine in den Weg legt? Ist da doch vielleicht mehr?

Werte vergehen, Inflationen haben mal mehr, mal weniger Einfluß. Als Wert für ein Leben, hat Materialismus keinen Bestand.

Aber was ist es dann? Was treibt uns wuselnde Ameisen an?

Die Wissenschaft? Die Suche nach dem Sinn eines Lebens, der nicht von außen erfasst werden kann? Der Verstand sagt uns, wir werden geboren, wir leben, wir sterben. Dazwischen ist ein Leben? Der Sinn muss bestehen, denn sonst wäre unsere Existenz doch nur ein Zufall, ein Unfall? Der Glaube hilft uns weiter. Das Paradies nach dem Leben, der Himmel als Erlösung einer menschlichen Qual, die sich über eine unendliche Spanne zieht. Die Hölle als Strafe für den Ungerechten. Wenn auf Erden keine Gerechtigkeit, dann doch irgendwann, das wollen wir glauben.

DNA, Zellteilung, der göttliche Funke für die Entstehung des Lebens. Eine Seele, die uns über den normalen Apparat der biologischen Abläufe einer Natur stellt. Aber die Antworten reichen nicht. So geht die Suche weiter, in microskopische Dimensionen, sowie in unendliche Weiten. Aber auch dort werden wir keine endgültigen Antworten finden. Nur Zwischenhaltestellen, die sich im Fortschritt unserer Technik weiterentwickeln. Wenn der Sinn also nicht zu finden ist, was ist dann mit einem Wert?

Ist es Glaube, Hoffnung? Sind es die Träume?

Die Antwort für den Wert eines Lebens, findet sich nicht im großen Kosmos. Nicht in den weiten einer Wissenschaft. Sondern einzig und allein in jedem Leben selbst.

Der Wert meines Lebens?

Es ist eine Geschichte, die im dunkeln anfängt und über den Verlauf nicht heller wird. Augenblicke, die erhellen und die doch wieder genommen wurden. Selten von Anderen, mehrfach von mir selber und einfach falschen Entscheidungen, die weitere Kreise zogen und mich selber auf Umwege geleiteten, auf die ich nie gelangen wollte.

Bis vor einem Jahr, war ich bereit an etwas zu glauben. Aber ich entschied über den Verstand, meine Vernunft siegen zu lassen. Über sarkastische Weisheiten, folgte ich Nietzsches Weg einer Wahrheit. Wenn ich alles verneinen kann, Wahrheit und Hoffnung als Träume darstellen kann, so braucht man sie nicht zu glauben, nicht wahr? Wenn ich alles aushebeln kann, gegen alles Argumente finde, so kann doch nichts wahr sein? Die Relativität alles Wissens ist eine zugrosse Bandbreite, um nicht damit zu spielen. Über einen langen Zeitraum, hatte ich mich verirrt. Nicht in Lügen, sondern in Wahrheiten, die ich sehen wollte.

Tja, und wer zeigte mir ein anderes Bild? Ohne ein einziges Wort, ohne eine Diskussion? Ohne mir auch nur Verstandesmäßig gewachsen zu sein?

Heute, nach sieben Monaten Wartezeit, die ich selber zu verantworten hatte, sah ich meinen Sohn wieder. Und er zeigte mir etwas, was mein Verstand niemals begründen könnte. Eine Bindung über die Zeitspanne hinaus. Und vor allem eins, Gefühle.

Gefühle sind nicht erklärbar, und leider nie zu lenken. Zu unterdrücken, all zu oft, im Glauben einer Moral und einer Verantwortung. Wer sich vor seinen Gefühlen nicht stellen kann, der ist ganz einfach auf dem falschen Weg, sage ich. Aber was sagt uns meine eigene kleine Erfahrung über den Wert eines Lebens?

Gar nichts!!

Es sagt uns folgendes:

Das Leben ist ein Zeitfluss voll vergehender Momente. Entscheidungen, Verpflichtungen und Träume lenken uns und treiben uns an. Aber es sind die einzelnen Momente, die einfach nur zählen. Ein Blick, ein Lachen, eine Träne und eine Hand, die sie wegwischt. Eine Hand, die sich einem entgegenstreckt und bereit ist zu umarmen. Und sagen Sie mir, wie jemand anderes den Wert Ihrer Momente bestimmen könnte?

Der erste Kuss, das erste Ja-Wort, man vergisst es zu schnell in dem weiterfließenden Alltag. So wird eine Liebe zu Hass und ein Traum zur Scheidung. So sollte es nicht sein, aber so passiert es dauernd. Weil wir selber uns zu schnell auf neue Werte stürzen, auf neue Träume und neue Hoffnungen. Denn was man kennt, wird zu schnell Langweilig. Und zu oft bedeutet eine Klärung, dass man durch alte Wunden steigen muss, vernarbte Verletzungen aufplatzen und man sich durch Verbitterung geschütztes stellen muss.

Den wahren Wert Ihres Lebens, bestimmen nur Sie selber. Niemand wird das für Sie tun. Niemand kann es. Ich bin kein Heiliger, ganz sicher eher das Gegenteil und durch viele eigene Missgeschicke habe ich viele kleine Löcher und Krisen durchschritten. Und trotzdem glaube ich an das Gute, meine kleiner Sohn beweisst es mir immer wieder. Aus Dunkelheit muss nicht Finsternis erwachen, sondern genauso auch Licht.

Wir haben es selten leicht. Und anhand der vielen Probleme, und unmöglichen Aufgaben, werden wir noch oft Scheitern. Aber wir werden uns immer wieder aufrichten, denn wir wissen um die besseren Zeiten, um deretwillen wir es machen. Und selbst wenn wir sie nicht mehr erleben sollten, so mögen es unsere Kinder doch irgendwann leichter haben.

Dieser Artikel ist keine Antwort auf die Überschrift, nur eine Spur, auf die ich Sie schicken möchte. Suchen Sie keinen Sinn über den Verstand, werten Sie nicht ab oder auf über materialistische Kalkulationen, denn das können Sie nicht. Denn Wert eines Lebens kann man nur fühlen, in manchen Momenten, in Augenblicken. Und wenn es so weit ist, dann haben solche Gedanken keinen Wert mehr. Vielleicht ist das auch das Ziel der unentwegten Suche nach Antworten? Dass es einfach keine Antwort gibt? Keine Erklärung, keine aufschlussgebende Abhandlung am Schluss.

Der Wert eines Lebens? Blicken Sie sich um, blicken Sie zurück und entdecken Sie ihn selbst, oder erst auch neu?

Lies doch mal