Das Borderline Syndrom – Persönlichkeitsstörung – Probleme der Heilung

Borderline, das Borderline Syndrom, die Borderline Persönlichkeitsstörung.

Schwer zu verstehen. Wie auch in Matrix schon erwähnt, kann man hier nur wiederholen:

“Jeder muss sie selber erleben um sie verstehen zu können.”

Mein letzter Artikel hatte andere Quellen zur Grundlage. Wenn Sie ihn noch nicht kennen, so empfehle ich ihn Ihnen an dieser Stelle.

Worauf wir diesmal eingehen wollen, ist das Problem der Heilung. Einfach zum Psychiater, Psychologen und ein paar Psychopharmaka, dann sollte es laufen. Aber so einfach ist es nun mal nicht.

Zuerst möchte Ich Ihnen ein paar Videos zu dem Thema zeigen, die ich im Internet gefunden habe. Oft zeigen Videos doch mehr, als Worte sagen können.

Das Video ist von Limitation08.

Dieses Video entstand im Rahmen der Seminarfacharbeit “Borderline – Jugendliche im Spannungsfeld zwischen Schwarz und Weiß” und diente als Einleitung des Kolloquiums.

Und hier noch ein anderes Video mit anderem Themenschwerpunkt:

Verfasser ist Bleeding Soul 2007

Die “Maske”, die ich trage um meine innere Zerissenheit vor den Menschen um mich herum zu verbergen…
Und als letzter Einblick, dann denke ich, haben Sie ein bißchen was schon verstanden.

Dieses Video ist von 1990 Tatjana.

Kleiner oberflächlicher Einblick in die Gefühle und der Welt eines Borderline Betroffenen.

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, was Sie jetzt denken. Waren Sie nur auf der Suche nach Informationen, so sind Sie jetzt abgeschreckt und wollen gar nichts mehr wissen?

Was wahrscheinlich jetzt vollkommen falsch rüberkommt, aber trotzdem stimmt, ist folgendes:

So schlimm sind die aber nicht.

Ich weiss, Sie haben teilweise gesehen, wie so eine Person denkt, wie sie fühlt und lebt. Für einen “normalen” Menschen ist so etwas vollkommen unverständlich und wahrscheinlich einfach nur krank. Bleiben Sie einfach bei meinen Worten. Ich führe Sie durch diesen “Wahnsinn” / “Irrsinn”. Keine Angst.

Aber eins müssen Sie mir versprechen. Vergessen Sie alles Halbwahrheiten, die Sie zu glauben wissen. Vergessen Sie alles zusammengewürfelte, dass Ihr Verstand sich zusammenreimen muss, um dieser anderen Welt Herr zu werden.

Wenn Sie eines schon verstanden haben sollten, so hoffe ich doch mal, so ist es, dass auch diese Menschen vollkommen normal leben. Sie würden einen Borderliner nicht erkennen, außer er verletzt sich selber und Sie entdecken Spuren davon. Innerlich sieht es anders aus.

Wenden wir uns erstmal der reinen Wissenschaft zu.

Ein Zitat von Wikipedia:

Im DSM-IV, dem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association, wird die Borderline-Persönlichkeitsstörung wie folgt definiert:

Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie deutliche Impulsivität. Der Beginn liegt oftmals im frühen Erwachsenenalter bzw. in der Pubertät und manifestiert sich in verschiedenen Lebensbereichen.

Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein, wenn von einer solchen Störung gesprochen wird:

  1. Starkes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.
  2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
  3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (z. B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren). Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.
  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z. B. hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).
  7. Chronische Gefühle von Leere.
  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).
  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Im ICD, dem Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Unterform der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung: Der Impulsive Typus dieser Störung ist geprägt durch mangelnde Impulskontrolle und unberechenbare Handlungen. Beim Borderline-Typus sind das eigene Selbstbild und das Beziehungsverhalten schwerer beeinträchtigt. Dieser entspricht in etwa auch der Definition der Borderline-Störung im DSM-IV

Sollten Sie sich jetzt Sorgen, Gedanken machen, so lohnt es sich vielleicht mal provisorisch den Online – Test zu machen, wobei dieser natürlich nicht einen Psychologie/Psychiater Besuch ersetzt. Selbsttest

Was aber eigentlich das Thema dieses Artikels war, ist zu untersuchen, warum Borderliner so schwer heilbar sind.

Was Sie bis jetzt kennengelernt haben, das ist die verletzliche Seite einer Borderline Persönlichkeit.

Das sind die Momente wo geschrieben wird, versucht wird den Schmerz auf diese Weise loszuwerden.

Andererseits beherbergt die Persönlichkeitsstruktur auch ein paar Stärken.

So eine Person gibt sehr viel auf, wenn sie sich für eine Heilung entscheidet.

Sicher, Sie denken wahrscheinlich, wer solche Schmerzen im normalen Leben hat, der kann doch nicht so weiter machen wollen. Nun, aber wenn diese Momente, die einen verbrennen können, auffressen, vorbei sind, egal wie sie geendet haben, ob mit oder ohne SVV, setzt die Hochphase wahrscheinlich ein. Und dann wird einfach vergessen, was vorher war. Es ist nie passiert, ausser es erinnern einen Narben, Wunden daran. In solchen Momenten ist der Borderliner das Leben selber, er sprüht vor Elan, vor Lebensfreude, bis wieder alles einbricht.

Eins ist auch sehr wichtig. All das, was Sie vorher gesehen haben, was ein Borderliner fühlt, denkt, ist in Wirklichkeit die Spitze des Eisberges. Rütteln Sie einmal dran, graben Sie und es wird unerträglich.

Denn all diese Trubel, all diese Wechsel schützen die Persönlichkeit vor den wirklichen Gefühlen. Die kann sie nicht aushalten und ertragen. Nehmen Sie ihr die Schwankungen und die Person ist lahmgesetzt.

Sie kann nicht leben, überleben. Schutzlos Gefühlen ausgeliefert, die einfach zu stark sind um standzuhalten. Ohne Unterstützung, ohne Hilfe, würde es so noch schlimmer werden.

Das ist auch einer der Gründe, warum Borderliner sich in der Klinik erst recht selber verletzen und noch viel mehr.

Sie müssen erst lernen, damit umzugehen. Die Gefühle zu ertragen, ohne einen Ausweichmechanismus zu aktivieren. Denn Gefühle sind Verletzbarkeit, sie sind Angst, sie sind Gefahr, sie werden zur Panik.

Seltsamerweise werden Borderliner oft aus der Klinik geschmissen, wenn sie SVV betreiben. Bei Regelmäßigkeit ist das klar, aber es muss erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann. Aber, so viel die Psychologie auch über Borderline weiss, oder gerade auch nicht, so wenig versteht sie es wirklich und weiss damit umzugehen.

Was ich damit sagen will? Oft und fast immer, möchte man sagen, unterstellen Ärzte ihren Patienten, Patientinnen eine Absicht, die nicht da ist. Da sie selber einfach Opfer ihrer Selbst mal wieder sind. Was der Arzt damit bewirkt? Die Wiederaufnahme der Spirale. Vorwürfe führen zu Selbstvorwürfen, zu Scham und im schlimmsten Fall zu SVV.

Probleme mit der Heilung?

Hier der eigentliche Hauptgrund.

Der Patient selber will glauben, dass er normal ist. Dass er einfach anders ist, manchmal eine Phase hat. Er will normal leben. Trotz der Schmerzen und all der Trauer, die ihn beherrschen, kann er nicht aufhören zu versuchen, dazu zu gehören. Er will nur Teil von etwas sein. Nicht auffallen. Aber das Eingestehen, dass er krank ist, bricht ihn aus dem Gefüge heraus. Er ist ein “Outsider”, er muss sich selber Schwäche eingestehen und helfen lassen. Die Gesellschaft tut ihr Übriges dazu. Wie in X-Man, welchen Teil weiss ich leider nicht, wo die Mutter zu ihrem Kind sagt: “Hast Du schon versucht normal zu sein?”

Das ist die Art und Weise, wie man psychisch Kranken in unserer Gesellschaft umgeht. Mitleid, ein schiefer Blick, Ausgrenzung und Unverständnis.

Bedenkt man jetzt, dass für eine Heilung mehrer Jahre nötig sind, würden Sie das freiwillig auf sich nehmen?

Ich nicht. Trotz dem Leid, trotz Schmerzen und vielleicht Selbstverletzung, würde ich mich nicht outen. Aus dem Berufsleben aus der Stellung aussteigen und sich helfen lassen. Image, Ansehen einfach in die Tonne schmeissen und sich outen. Danach sind sie nichts mehr. Ein geistiges Wrack in den Augen der Außenwelt. Versuchen Sie sich dann Ihren Status zurück zu holen. Fast unmöglich.

Denn die Heilung ist mit einer Neugeburt zu vergleichen. Einem Kind gleich, muss der Erkrankte neu lernen, was jeder Mensch von Anfang an mit auf den Weg bekommt und wie selbstverständlich kann. Mit seinen Gefühlen leben.

Würden Sie alles aufgeben? Alles hinschmeissen. Für eine “Heilung”, für die es keinen Beweis gibt?

Gefährlich wird es erst, wenn der Erkrankte keine Wahl mehr hat. Wenn die Krankheit das Stadium erreicht, dass die sich körperlich manifestiert. Dann ist eine logische vernunftgesteuerte Entscheidung nicht mehr von Nöten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alles zusammenbricht.

Bis zum nächsten Artikel

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