Borderline Lyrik – Kunst – Erhöhte Kreativität – Art Brut

Ich bin jetzt schon mehrfach im Internet und auch in Büchern darauf gestoßen, dass Borderlinern eine erhöhte Kreativität nachgesagt wird.

Das geht sogar so weit, dass man Borderline Kunst schon als Klassifizierung an sich betrachten kann. Borderline Lyrics ist schon in google ein Traffikstarkes Keyword.

Aber kann das sein? Kann diese innere Zerissenheit eine offensichtlich reinere, ungefälschte Kunst zum Vorschein bringen?

Borderliner sind in ihren Extrem – Momenten so in sich gefangen, dass sie garantiert nichts von der Umwelt mitbekommen. Dafür ist der Kampf mit dem Ich einfach zu gross. Ich habe schon etliche Seiten solcher Borderlineseelen gefunden und ich bin überrascht, was da auf das Papier, in dem Fall auf den Bildschirm gebracht wurde.

Natürlich sind die meisten Texte so sehr von Schmerz und Trauer, der Zerissen- und Zerfahrenheit der jeweiligen Person durchtränkt, dass ein Sonnenschein, einfach ein Lächeln, positive Emotionen vermisst werden.

Wenn man sich zu sehr auf diese Texte einlässt, kann es schon vorkommen, dass man einen Anflug von Depression bekommt.

Wie auch immer.

Hier ein Zitat von borderlinekunst.de, einer Seite rund um, wie sollte es anders sein, eben Borderlinekunst.

ART BRUT

Streng genommen können solche künstlerisch-kreativen Werke sogar einer bestimmten Kunstrichtung zugeordnet werden. Man spricht hier von ‘Art brut’, also “rohe Kunst” und sie steht für unreflektierte, rein emotional inspirierte “Laienkunst” ohne jede künstlerische Vorbildung, Vergeistigung und Prägung. Art brut entspringt der unverfälschten menschliche Kreativität und hierzu haben gerade Borderliner aufgrund ihrer starken Emotionalität oft einen leichteren Zugang.

Natürlich gibt es auch Ausstellungen der Erfolgreicheren der Zunft. Hier mal eine vorgestellt, Zitat von Kunsterfahrungsblog:

tales of a borderline

Institut Hartheim ist ein Kompetenzzentrum zur Begleitung von Menschen mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung. Als Teil des Instituts hat es sich das Programm KULTURFORMENHARTHEIM zur Aufgabe gestellt, die Kunst von sogenannten Außenseiter/innen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die beiden Galerieräume des Schlosses verstehen sich als Drehscheibe für „Outsider Art“, die einerseits in geeigneter Weise einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, sowie andererseits wissenschaftlich aufgearbeitet wird.

Angehörige und professionell Tätige stoßen immer wieder an ihre Grenzen, wenn es darum geht, die inneren Gefühlszustände von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung nachzuvollziehen. Oft ist es den Betroffenen selbst kaum möglich, ihre Gefühle zu artikulieren: Zu diffus, zu undefinierbar ist das, was sich in ihnen abspielt. Wenn Worte nicht reichen, müssen andere Wege der Kommunikation gesucht werden.

Die Ausstellung tales of a borderline will dem oft negativ verstandenen Begriff „Borderline“ positive Aspekte durch den künstlerischen Ausdruck entgegensetzen.

Gefunden auf Psychatrienetz,psychatrie.de:

Der Artikel dreht sich um ein Interview mit der Künstlerin Karin Birner, die nach eigenen Angaben an Borderline erkrankt ist:

Wirkt sich Ihre Erkrankung förderlich aus auf Ihre Bilder?

Meine Kunst wäre ohne die extremen Gefühle – sich on Top zu fühlen oder sich sehr schlecht fühlen – nicht möglich. Sie ist eine Art Gratwanderung: Ich muss diese inneren Bilder loswerden. Anschließend fühle ich mich befreit, wenn ich sie in Farbe gebannt, auf Papier oder Leinwand gebracht habe. Eine zeitlang war es für mich so, dass ich nur über meine Bilder mich der Umwelt mitteilen konnte.

Gibt es Themen, die Sie lieber nicht malen, weil Sie denken, das kann nicht an die Öffentlichkeit?

Gemalt wird grundsätzlich alles, was mich bewegt, aber ich habe eine “Gruselecke”, und diese Bilder stelle ich dann auch nicht aus.

Was haben Sie für die Ausstellung im Kleisthaus des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung, »Borderline – Borderland«, ausgesucht, die in diesen Tagen zu Ende geht?

Mein Leitmotiv war, die ganze Bandbreite des Borderline-Erlebens zu zeigen – von dieser Verzweiflung, Wut, Hoffnung bis zur Euphorie. Ein Bild stellt z.B. Sisyphus dar auf dem Felsbrocken, den er bis zum Gipfel gerollt hat, triumphierend – als Sinnbild für die stabile Instabilität meines Gefühlslebens.

Gibt es einen Unterschied zwischen Art-Brut-Künstlern und akademischen Malern?

Ich habe mich mal in einer Galerie vorgestellt, aber der Galerist wollte nur Leute von der Akademie. Auf der anderen Seite denke ich, dass jeder Künstler eine Art Außenseiter ist, da die Kunst ja ein sehr unsicheres Geschäft ist. Und was ist mit den vielen Künstlern, die auch eine psychiatrische Diagnose bekommen haben, z.B. Vincent van Gogh. Kunst ist eine Leidenschaft, die jeden packen kann, und in diesem Sinne kann man keinen Unterschied machen: Kunst kommt nicht von können, sondern von müssen.

Hinweis:

Die nächste Ausstellung von Karin Birner findet von 6. Oktober 2009 bis 31. Jänner 2010 im KULTUR FORMEN HARTHEIM, Oberösterreich, statt. Gezeigt werden 22 Bilder von Karin Birner im Rahmen der Sonderschau »tales of a borderline«. Die Ausstellung versammelt die Werke von vier Künstlerinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung aus Deutschland, Österreich und Großbritannien, um so zur Aufklärung und Entstigmatisierung der Erkrankung beizutragen.

Ort: KULTUR

FORMEN HARTHEIM, Schloss Hartheim, Schlossstraße 1, 4072 Alkoven

Öffnungszeiten: Mo., Di., Do. 9:00–14:00 Uhr oder nach persönlicher Vereinbarung: Tel. 0699 12 57 66 85,

k.petersmann@institut-hartheim.at oder dagmar.weidinger@univie. ac.at

Gemarterte Seelen, schreiend, doch kein Ton verlässt die Lippen.

Gefühle verzehrend, brennend, alles verschlingend, Druck, Anspannung.

Schreie, die nicht gehört werden können, bluten, hinterlassen Narben, tiefe Wunden.

Blut trifft den Ton, der befreit, entlastet.

Diese Künstler geben dem Druck Ausgleich in dem Sie das niederschreiben, was sie beherrscht. Die Explosionen der widersprechenden Gefühle.

Gerade dadurch können sie solche Texte schreiben, die auch mich manchesmal in Staunen versetzen. Sie haben in diesen Momenten keinen “Verstand” der zwischen den Gefühlen und der Aussenwelt steht. Deswegen kann alles ungefiltert heraus und die Ergebnisse dürfen wir bewundern.

Und ehrlich gesagt, wenn es diesen Personen hilft, gegen SVV vorzugehen, so haben doch alle Beteiligten was davon.

Für die Texte und Gedichte sei Ihnen mal drei Seiten ans Herz gelegt:

  1. Zweipage
  2. Rote Tränen
  3. Borderlinekunst

Lies doch mal