Zur schwarzen Nacht

Der Wind fegt durch die Gassen, wirbelt umher, treibt hinauf und lässt dann hernieder. Leise säuselnd folgt er seinen Pfaden durch die menschenleeren Gassen. Ausgestorben, ein Niemandsland, so erscheint nun diese Stadt. Die letzten erleuchteten Fenster dimmen ihr Licht herunter und dann löschen sie es ganz. Das Schweigen, die Stille und ebenso das Dunkel der Schwärze, bestimmen nun diese Stadt. Vereinzelt leuchten die Straßenlaternen für den einsamen Wanderer, der übrig geblieben, verspätet und eilig seinen Pfad nach Hause sucht und letztendlich auch findet. Ein Schlüsselklappern, das harte Knacken des Schlosses und nachdem die Tür ins Schloss fällt, die erneute alles beherrschende Stille.

Doch wir sehen weiter, viel mehr und auch darüber hinaus. Es ist uns gestattet zu lauschen, zu hören und zu erfühlen, was schweigend sein Werk tut. Sie liegen still, die Menschen, hernieder in dem Schlummer ihrer Träume. Die Geister, die Gedanken, sie sprechen und schweigen niemals still. Sie sehen die wundervollsten Landschaften. Paradiese voll idyllischer Strände und ebenso den baumbesiedelten Wald. Gefühle kommen hoch und ebben ab, stürzen hernieder und schwingen hinauf, in einer niemals endenden Brandung voller Emotionen. Was sie sehen, sie erleben, das könnte Bände an Büchern füllen. Und ein jedes Individuum für sich, taucht so tief, wie der Geist, die grenzenlose Vorstellung es ihm gestattet. Sie sind gefangen und gleichermaßen befreit im Strudel der Allmöglichkeit.

Die Knospen unerfüllter Liebe, deren Rose stillschweigend erblüht. Im ewigen Glanz eigener Herrlichkeit gefroren. Die Eiszapfen der tiefsten Trauer, die hinab graben und hernieder bohren. Die zum Horizont schwebende Hoffnung. Luftig, leicht und so erhebend. Was hier in den buntesten Bildern spricht, malt und zeichnet, nur das, es schweigt am Tage. Begraben in den tiefsten Tiefen menschlicher Innerlichkeit.

Den Steinen, den Mauern, den leeren Gassen, ihnen ist es egal. Sie sehen und erkennen nicht, was in ihrem Innern in den pulsierenden Adern in dem Meer der tiefsten Träume schlummert. Was Schlösser baut, Häuser zimmert und die Gebilde des eigenen Begehrens erschafft. Denn die Nacht ist still, sie ist ruhig, sie bleibt leise. Und so darf erschaffen, was im Menschen am Größten ist. Die Freiheit seines Geistes, die leise Seele, von der Knechtschaft durch den rationalen Verstand befreit.

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