Kleopatra – Die schönste Frau der Weltgeschichte?

„Was für eine Nase“, schwärmt im Comic Asterix und Kleopatra der Druide Miraculix unaufhörlich, und er lässt sich nicht als einziger zu hymnischen Kommentaren über die Schönheit der ägyptischen Königin hinreißen. Aber nicht nur im Comic, auch in Wirklichkeit ließen sich die Männer von Kleopatras Äußerem beeindrucken. So über die Maßen schön war sie, dass die römischen Herrscher Caesar und Marcus Antonius einer nach dem anderen ihren Reizen verfielen. Caesar, der ihr die Herrschaft über Ägypten sichern half und nach Rom einlud, schenkte sie einen Sohn. Nach Caesars Tod heiratete sie Marcus Antonios und aus dieser Verbindung gingen sogar drei Kinder hervor. Als Antonius dann mit der Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) den Machtkampf um die Herrschaft in Rom gegen seinen Rivalen Octavian verlor und die falsche Kunde vom Tod der Geliebten erhielt, beging er Selbstmord. Kleopatra ließ sich ein paar Tage später von einer Giftschlange beißen und folgte ihm in den Tod.

Kleopatra kennt ebenso jeder wie die Legende um Robin Hood. In der Schule, in der Freizeit im klassischen Film. An etlichen Stellen begegnet man ihr. Und ebenso ist ihre Gestalt ein Mythos, eine Legende schon fast. Und gerade was man an ihr rühmt ist ihre Schönheit. Nur trifft diese wirklich zu? War sie wirklich die schönste Frau der Weltgeschichte? Oder ist auch dies nur ein Mythos und mehr bleibt davon nicht übrig?

Ich zitiere aus Die 50 größten Lügen und Legenden der Weltgeschichte von Bernd Ingmar Gutberlet. Erschienen im Jahre 2008. Widmen wir uns dem nächsten Thema daraus.

Wer nacheinander zwei große Männer mühelos um den Finger wickelte und in der Weltpolitik selbstbewusst mitmischte muss von beeindruckender Schönheit gewesen sein, urteilte die Nachwelt. Zahlreiche Portraits bilden diese Schönheit ab, und noch Jahrhunderte später bezeichnete Boccaccio Kleopatras Schönheit als ihre vorzüglichste Eigenschaft. Kein Wunder, dass im 20. Jahrhundert makellose Stars bemüht wurden, wenn die ägyptische Königin im Film auftauchen sollte.

Allerdings lässt sich die Schönheit Kleopatras gar nicht belegen. Von Zeitgenossen, die die ägyptische Königin gekannt haben, gibt es nur zwei Zeugnisse, die allerdings nicht als objektiv gelten können: Sie stammen von Caesar und seinem Parteigänger Hirtius. Den Porträts der Königin kann man nicht trauen, denn sie wurden damals wie heute idealisiert, und antike Abbildungen können nicht als Beleg für das Aussehen eines Menschen herangezogen werden. Die Künstler schufen häufig schmeichelhafte Bildnisse und hielten sich an die Vorgaben der staatlichen Propaganda oder ihrer Auftraggeber, die die Königin bewunderten.

Bilder aus dem WWW:

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Die Kleopatras (laut wikipedia):

Kleopatra ist der Name mehrerer ägyptischer Königinnen und Regentinnen aus der Dynastie der Ptolemäer:

  • Kleopatra I. (* um 204 v. Chr., † 176 v. Chr.) war die Ehefrau von Ptolemaios V.
  • Kleopatra II. (* um 185 v. Chr., † 116 v. Chr.) war die Ehefrau ihrer Brüder Ptolemaios VI. und Ptolemaios VIII.
  • Kleopatra III. († 101 v. Chr.) war die Ehefrau von Ptolemaios VIII.
  • Kleopatra IV. († 112 v. Chr.) war die Ehefrau ihres Bruders Ptolemaios IX., dann des Antiochos IX.
  • Kleopatra V. († 69 v. Chr.) war die Ehefrau von Ptolemaios IX., dann nacheinander der drei Seleukiden Antiochos VIII., Antiochos IX. und Antiochos X.
  • Kleopatra VI. war die Ehefrau von Ptolemaios XII.
  • Kleopatra VII. (* 69 v. Chr., † 30 v. Chr.) war die Ehefrau ihrer Brüder Ptolemaios XIII. und Ptolemaios XIV. sowie die Geliebte von Julius Caesar und Marcus Antonius.
  • Kleopatra Berenike III. (* um 120 v. Chr., † 80 v. Chr.) war Ehefrau von Ptolemaios X. und Ptolemaios XI.
  • Kleopatra Selene (* 40 v. Chr., Todesjahr unsicher) war die Tochter von Kleopatra VII. und Marcus Antonius und die Ehefrau von Iuba II. von Mauretanien.
  • Kleopatra Thea (* um 164 v. Chr., † 121 v. Chr.) war die Ehefrau der syrischen Könige Alexander I. Balas, Demetrios II. und Antiochos VII.

Die Kleopatra um die es hier geht, ist die Kleopatra VII. Also im Grunde und lange nicht die Einzige. Nur die Bekannteste kann man sagen.

Die Quellen der Schönheit Kleopatras:

Die Würdigungen der römischen Geschichtsschreiber sind bereits im Abstand von ein bis zwei Jahrhunderten verfasst – und aus dieser sicht muss Kleopatra vor allem als außerrömischer Eindringling erscheinen, der die mömische Szene aufmischt. Trotzdem erzählt der römische Geschichtsschreiber Plutarch von dem Vergnügen, sich mit ihr zu unterhalten, und ihrer sanften Stimme. Ihr Aussehen an sich habe ihre Ausstrahlung nicht ausgemacht. In vielen Übersetzungen wurde aus der entsprechenden Stelle, Kleopatra sei nicht schön oder gar hässlich gewesen. Plutarchs Kollege Cassius Dio dagegen bezieht sich eindeutig auf ihr Äußeres und rühmt Kleopatra sogar als die schönste aller Frauen, vermerkt aber auch ihre verführerische Stimme und ihren großen Charme. Insgesamt ist die Überlieferung zur Persönlichkeit Kleopatras aber so widersprüchlich und tendenziös, dass Historiker sich ohnehin schwer tun, ihre Biografie zu schreiben. Wie sollte da verlässliche Urteile über ihre äußere Erscheinung möglich sein?

Je nach Blickwinkel war Kleopatra die letzte Herrscherin über ein uraltes Königreich von Dekadenz und Geheimnissen, die nur dafür lebte, ihr Reich und dessen Unabhängigkeit zu sichern. Dann wieder war sie eine gebildete, kluge Frau, die nacheinander zwei Herrscher Roms betörte und ihre Geschicke selbstbewusst mitbestimmte, aber auch die machtgierige, verschwendungssüchtige Intigrantin aus der Fremde, die sich in die inneren Angelegenheiten römischer Politik einmischte und auf den Machtkampf zwischen Antonius und Octavian Einfluss nahm. Sie war ebenso die blutjunge ägyptische Thronfolgerin, die nicht nur die Machtfehden am Hof lebend überstand, sondern 22 Jahre lang regierte, ihr Reich vergrößerte und zu letzter Blüte führte. Kleopatra konnte man ebenso als die ehrgeizige Mutter betrachten, die ihrem Sohn den Weg an die Spitze Roms ebnen wollte, wie als stolze Politikerin, die sich der Demütigung, von Octavian im Triumphzug durch Rom bloßgestellt zu werden, durch den Freitod entzog.

Sie hat Großes erreicht, zu ihrer Zeit große Wellen geschlagen und vielleicht nur ist ihre Darstellung das Ergebnis wohl platzierter Propaganda. Zu ihrer Zeit, um ihren Ruhm zu vergrößern, aber auch unserer Zeit, um markwirtschaftstauglich weiter an dem Produkt Kleopatra verdienen zu können. Denn die nie angefochtene Schönheit des alten Reiches verkauft sich schließlich und endlich nun mal besser und sorgt für klingelden Kassen aus egal welchem Bereich nun mal.

Der Mythos der außergewöhnlichen Schönheit Kleopatras ist eine über Jahrhunderte gewonnene Essenz, gefiltert durch eine gehörige Portion männlicher Perspektive. Vor allem die römische Geschichtsschreibung war bemüht, eher ihre weiblichen und negativen Eigenschaften zu betonen, anstatt ihr Format als Königin und Politikerin herauszuarbeiten.

So wird bis heute der Mythos der schönsten aller Frauen befeurt, dem trotz aller Hartnäckigkeit die gesicherte Grundlage fehlt. Der französische Kulturminister und Schriftsteller Andre Malraux ging sogar einmal so weit, Kleopatra als „Königin ohne Gesicht“ zu bezeichnen.

Fazit

Im Grunde sind wir nicht oberflächlich, so wage ich doch mindestens zu behaupten. Und doch hält sich über Jahrhunderte eine Legende über die Schönheit einer Person, die nicht belegbar ist. Und vor aller hat sie mehr erreicht als ein makelloses Äußeres. Aber in Erinnerung bleibt sie wegen ihrer angeblichen Schönheit. Ein Umstand, über den man nachdenken darf, soll, und auch kann. Allem Anschein nach war sie äußerlich nicht die schönste aber sanft und unterhaltsam im Umgang. Vielleicht können wir uns so auf eine innere Schönheit einigen? Möglich, wenn man doch noch einen gemeinsamen Nenner mit der Geschichte finden will. Defintiv nicht so gemeint. Aber ein verschmerzbarer Umstand wie ich finde.

 

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