Die wahre Schönheit

Schönheit ist zu einem Ideal verkommen, das wir vorgelebt, gezeigt und präsentiert bekommen. In den Medien, im Fernsehen und Magazinen, werden die Models präsentiert, die daraufhin als Schönheitsikonen dienen. Dabei ist Schönheit subjektiv zu betrachten und genau so funktioniert sie auch. Dem Einen gefällt das, dem Anderem wiederum Jenes, wenn wir auf der visuellen Ebene verbleiben. Und dennoch funktioniert dieses System scheinbar. Vorzugsweise Frauen orientieren sich an den Idealen und fühlen sich auf einmal nicht mehr schön, sondern voller Makel, z.B. das sehr beliebte einfach zu dick sein, so dass der Abnehmwahn einsetzt, an dem so Einige ihr dickes Geld wiederum verdienen. Vielleicht hat das mehr was mit dem Aussuchen von Idealen und Vorbildern zu tun. Man bekommt es gezeigt und dann muss man es auch machen, da es ja im Fernsehen war. Dabei gibt es eine Schönheit, die wahre Schönheit, die man nicht bei dem Blick in den Spiegel entdecken kann. Und jeder Mensch hat eine natürliche Schönheit, die ihm von Geburt an mit gegeben wurde. Man muss sie nur sehen wollen oder es auch können.

Ich zitiere aus „Philosophie des verbotenen Wissens“ Friedrich Nietzsche und die schwarzen Seiten des Denkens von Konrad Paul Liessman (S.236): „Die Verachtung ebenso wie die Furcht machen häßlich“, heißt es in einer Notiz aus dem Frühjahr 1880, aber der große Psychologe wußte, daß der Mensch an seiner eigenen Häßlichkeit durchaus auch Gefallen finden konnte, wie ein beunruhigendes Fragment aus dem Herbst desselben Jahres andeutet: „Man erreicht einen Höhepunkt seiner Unredlichkeit: und da werden wir uns verhaßt und wenden den Spiegel gegen uns und haben nun Vergnügen auch bei dem Anblick des Häßlichen, denn wir rächen uns dabei, oder haben Ekel an der Sättigung der Berauschung durch Illusionen. – Wahrheitstrieb!“ Der Spiegel, ein zentrales Motiv bei Nietzsche, wird hier zu einer Waffe, die der Mensch in einem Anfall von selbstzerstörerischem Wahrheitstrieb gegen sich selbst richtet. Wer etwas auf sich hält, blickt wenn überhaupt, nur kurz in den Spiegel.[…][…]Der Mensch, der sich seiner eigenen Häßlichkeit aussetzt, aus Ekel an jenen Illusionen, die ihm bislang die eigene Häßlichkeit ersparte? Erst auf dem Höhepunkt der Unredlichkeit sich selbst gegenüber, der ständigen Selbsttäuschung müde geworden, findet der Mensch Gefallen an seinem wahren Gesicht: Wahrheit als Resultat eines Überflusses an Schein, der Wahrheitstrieb als physiologische Ekelreaktion auf ein Übermaß von Unwahrheit und Verstellung, auf Selbstverkitschung.[…]“

(S.213) „Kann es ein Übermaß an Schönem geben, auf das wir mit Ekel reagieren? Ist das Forcieren des Häßlichen in der Moderne vielleicht eine von Ekelgefühlen getragene Reaktion gegenüber einem übermäßig Schönen? Immerhin: Schon das 18. Jahrhundert hatte einen Ekel gekannt, der sich aus dem Überdruß am allzu Schönen, am nur Glatten, am nur Weichen, an übermäßiger Süßigkeit speiste.“

Das Hässliche mag man finden, wenn man sich seiner eigenen Selbsttäuschung gewahr wird. Der Blick in den Spiegel bedeutet dann, sich mit seinen eigenen Wahrheiten auseinanderzusetzen und nicht Scham erfüllt den Blick abzuwenden. Mit der Wahrheit sich selbst gegenüber beginnt es meisten immer. Danach dann kann man sich selber ganz erkennen. Mit allen Trieben, den Abgründen der dunklen Seite und den schlechten Eigenschaften, die wir auch besitzen. Aber das Glas ist halbvoll und nicht halbleer. Denn man findet auch seine eigene Schönheit im Spiegel. Die guten Seiten, die uns ausmachen und bilden. Aber wenden wir uns vom Bild des Spiegels weg und definieren ihn anders. Denn jeder Mensch, dem Sie begegnen, der spiegelt sie ebenso. In ihrem Verhalten, Ihrer Miene und ihr Wesen, bestimmen Sie mit, wie Menschen auf sie reagieren und wie diese Sie sehen.

Kommen wir zurück zur Schönheit. Wir haben erst oberflächlich begonnen, dann wurde es tiefgreifend und auch hässlich, wenden wir uns wieder dem Thema zu. Sie haben ein Aussehen, das Ihnen von Geburt an mit gegeben wurde. Und egal, ob Sie sich nun als schön oder häßlich betrachten, für irgend jemanden da draußen sind Sie wunderschön. Wenn Sie lachen und ihre Augen glänzen, das Gelächter den ganzen Raum erfüllt, dann möchte dieser jemand einstimmen und dass Sie niemals aufhören. Wenn sie mit ruhiger Stimme Ihre eigenen Wahrheiten und Geschichten erzählen, dann kann dieser jemand nur fasziniert lauschen. Wenn Sie einfach Sie selbst sind, dann sieht dieser Jemand, wie einzigartig und unverwechselbar Sie wirklich sind. Sie mögen jetzt zweifeln, dass es so Jemanden geben mag. Und doch tut es das. Und das hängt nicht mit Ihrem Äußeren zusammen, sondern wie sie selbst nun mal einfach sind. Sie haben einen Lebensfunken, der Sie leuchten lassen kann, wenn Sie es zulassen. Und wenn Sie sich nun als nicht schön oder verbesserungswürdig erachten, dann leuchten Sie nicht einmal ein bisschen, sondern verstecken sich im Dunkel der Selbstzweifel. Die Schönheit, die Sie ausstrahlen, ist weitaus wichtiger als das so schön publizierte Ideal. Wahre Gefühle machen schön, echte Ausstrahlung fesselt. Sicher begegnet man in dieser Welt vielen oberflächlichen Menschen, aber Sie müssen auch nicht auf die Meinung von Jedem etwas geben. Was Sie glauben ist entscheidend und genau das definiert Sie auch wiederum selbst. Ein Kreislauf der im Selbst beginnt und auch dort endet.

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