Die Like Sucht

Ein Like, ist eine simple gefällt mir Angabe. Von Außen betrachtet vollkommen wertlos und wertfrei. Nur ein simpler Klick, den User zu den Beiträgen anderer User hinterlassen. Und dennoch hat diese einfache Aktion einen gravierenden Einfluss und auch Macht gewonnen, der man nicht mehr aus dem Weg gehen könnte. Wie denn auch? Über 50 {4489fda0508528ba0a177216b35266d49e28792d7bd60bfb6619bb4a1970f67e} unseres Lebens geschieht mittlerweile online und in sozialen Profilen. Im Nebenher, in kurzen Pausen oder auch der Zeit der Muße, in der sonst vielleicht ein Buch herhalten musste. Wir haben uns evolutioniert, der neuen Umgebung angepasst und uns eingewöhnt an die Bedingungen des zuerst fremden Lebensraumes, der aber rein virtuell ist, bleibt und dennoch realen Bestand hat.

Ein Like an für sich hat keinen Wert. Erst durch die eigenen antrainierten Gefühle und Interpretationen bekommt es ihn. Es erinnert an die reine Biologie. Eine Ratte bekommt einen Schmerzimpuls, vielleicht einen Stromschlag, wenn es etwas falsches macht, vielleicht einen bestimmten Weg geht. Tut es was Anderes, etwas, das für richtig erachtet wird, bekommt es eine Belohnung. So kann man Tiere abrichten und auch erziehen. Denn der Verstand, das Verhalten lernt dazu und wird sich natürlich in Zukunft so verhalten, dass es immer die ersehnte Belohnung bekommt. Nun, wir sind keine Tiere und ein Like ist keine ernst zu nehmende Belohnung. Und doch …

Ein Jemand postet etwas und erhält daraufhin ein Like. Das ist sehr schnelle und sofort erreichte Belohnung, die Zufriedenheit und Bestätigung in dem Jeweiligen auslöst. Und so tut er es von nun an immer wieder, da er sich an diese schnelle Bestätigung gewohnt, die rein virtuell aber von den auslösenden Empfindungen wahrlich real ist. So postet man immer wieder Zitate von hellen Köpfen, da diese gerne geliked werden und so Zustimmung nach sich ziehen. Oder die hübsche Blondine postet immer wieder Selfies in den verschiedensten Posen, da die Männerwelt sich von den Likes und Kommentaren nicht zurückhalten kann. Kommt kein Like, so habe ich es bei Manchem schon im realen Leben erfahren und erlebt, wird der Post wieder gelöscht. Man macht sich Gedanken darüber, warum kein Like, was ist falsch und ebenso sieht es nicht gut aus, wenn keiner Liked. Um so mehr Likes, um so mehr famous ist und man und man kann was auf sich halten. Aber ein Like ist nur virtuell und von nichtiger Bedeutung von Leistung oder gar Erreichtem. Da ist es dann wie mit der Ratte in dem Beispiel aus der Biologie. Es gab einmal eine schnell erreichte Belohnung und die will man dann immer wieder.

Wir Menschen haben uns entwickelt. Ob nun zum Guten oder eher schlechten, sei einmal dahin gestellt. Wir haben immer schon Bestätigung und Aufmerksamkeit durch Andere gesucht. Mal weniger, mal mehr. Ein Jeder danach, wie sehr er mit sich selber im Reinen ist und sich seiner Selbst bewusst ist. Wir haben es geschafft uns einen rein virtuellen Raum zu erschaffen, in dem wir mit dem Verstand Unmengen an Zeit verbringen können. Dort finden wir unsere Freunde, die schnelle Aufmerksamkeit und schnell erreichte Bestätigung. Um so provokanter, um so besser. Um so mehr aus der Reihe, um so mehr gefällt es der Masse. Um so schöner und freizügiger, so weit es zugelassen wird, um so mehr Bestätigung. Wir haben die Bedingungen dieses anscheinend neuen Lebensraumes akzeptiert, verinnerlicht und unser Innenleben angepasst. Denn sonst hätte es nicht so eine enorme Wirkung und Macht im realen Leben. Man produziert sich, man erschafft sich selber und dann bekommt man darin noch das schöne Feedback. Es ist wie eine eigens erschaffene Traumwelt in die ein User sich einloggen kann. Die abgemilderte Form von Second Life oder World of Warcraft. Denn man muss sich nicht bewegen, nur ab und zu etwas schönes Posten, kommentieren und anwesend sein. Das alleine reicht schon aus um ein Teil des realen Lebens zu werden. Ich weiß, nicht jeder ist auf Likes angewiesen oder macht es wegen ihnen. Aber es sind Viele, die es dennoch nur dafür tun und an einer Sucht nach schneller Bestätigung leiden. Nur kurierbar ohne Internet und Zugang zu sozialen Netzen. Wo ein Mensch dann wieder die Augen für das Reale öffnen muss und schöne Gespräche führt, oder einfach mal die ruhige Stille genießt ohne eine nervige Benachrichtigung über einen Beitrag in einer Gruppe, oder Kommentar oder eben das so schöne Like.

Ich persönlich bin kein Feind von Facebook. Es ist wie es ist und man kann eine Entwicklung auch beobachten ohne ein Teil davon sein zu müssen. Man sieht und erkennt und weiß unter Umständen halt mehr. Kein Grund sich zu brüsten oder zu prahlen. Ich bin schließlich auch auf Facebook unterwegs und sehe dort Tagein und Tagaus ähnliche Geschichten. Nur mache ich mir manchmal meine Gedanken dazu und manchmal reichen die dann auch für einen Artikel aus. So, wie diesmal.

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