Die Bedeutung von Freundschaft

Wir begegnen in diesem Leben unendlich vielen Menschen. Im Alltag, auf der Arbeit, in den zufällig gewählten Pfaden unseres Lebens. Und wenige Menschen, sorgfältig Ausgewählte, die zählen wir irgendwann zu unseren Freunden. Sicher, es gibt die, die man ab und zu sieht. Und dann gibt es noch Jene, mit denen wir fast alles teilen. Sie begleiten uns durch dick und dünn, durch Hoch und Tief, auf Abwegen und ebenso auf Irrwegen. Diese paar dann nur, nennen wir enge Freunde. Sie gleichen einer selbst gewählten Familie, die aber ebenso eine gleich enge Bindung ermöglichen können, wie die durch Blut.

Wir treffen sie an unterschiedlichen, frei dem Zufall überlassenen Orten. Noch mögen sie uns fremd sein und man begutachtet sich gegenseitig, wie zu Anfang einer jedwedig gestalteten Beziehung. Man erzählt von sich, vom Leben, dem bisherigen und auch den Zukunftsvisionen des weiteren Lebensweges. Man teilt Erfahrungen, Träume und manchmal auch die dunklen Facetten der Seele. Die erfahrene und erlebte Trauer, die Missgeschicke und Unfälle. Mit der Zeit, da wächst man immer mehr zusammen. Die Erlebnisse, der Austausch, sie ermöglichen ein Angleichen. Dabei muss man nicht immer einer Meinung sein, im Gegenteil, das wäre doch fade und eintönig. Selbst hitzige Diskussionen, die erheitern und erfrischen den trüben Geist. Ein Geben und ein Nehmen entwickelt sich, wie in jeder Beziehung zwischen zwei Individuen der Gattung Mensch. Man hilft sich aus, man fängt sich auf und je nach Möglichkeit ist man auch füreinander da. Der verschwiegene Mund der geteilten Geheimnisse ist da völlig normal.

Wir Menschen sind so komplex verschachtelte Strukturen, die man beleuchten und untersuchen kann. Gesellige, soziale Wesen, die das Miteinander suchen. Denn nur die geteilte Freude ist ganze Freude, wogegen das geteilte Leid sich halbiert und die Last, mit der verfährt es ebenso. Ein jedes Individuum entwickelt sich einzigartig und doch, da können wir uns an selbstgewählte Menschen angleichen. Uns mit ihnen verbinden, verknüpfen durch Schicksale und Erlebnisse. Eine Erfahrung, die keiner missen will und keiner ebenso nur sollte. Wir wählen die Menschen aus, picken uns die Rosinen unter Tausenden aus, die wir auf unserem Weg mitnehmen wollen. Wir sind vollständig vernetzt, sehen Updates zu Hunderten am Tag, Bilder noch und nöcher. Aber das echte Gespräch unter Freunden, das Beisammensein und zusammen sitzen zu egal welcher Aktivität, das nimmt uns das ganz sicher nicht. Denn nichts steht über der realen Erfahrung mit allen Sinnen, die wir für die Aufnahme benötigen.

Freunde sind füreinander da, begleiten sich durch dick und dünn. Teilen Freude und Leid gleichermaßen. Verknüpfen sich zu einer Bande im Gleichschritt marschierender Seelen durch die Irrwege einer sich beständig drehenden und verändernden Welt. Menschen kommen und gehen auf unseren Pfaden, je nach Lektion, die unser Schicksal für uns bereit hält, lernen wir mehr oder weniger von ihnen. An der Spitze scharen sie sich in Masse um uns, am Tief, da verlassen sie uns. So ist der Lauf der Dinge, die Natur mancher Sachen. Aber Freunde, echte Freunde, die bleiben. Nicht weil sie es müssen, sie ein Pflichtgefühl dazu zwingt, nein, weil sie es aus echter Anteilnahme und Interesse an der Person so wollen. Freunde wollen und können wir nicht missen. Wir brauchen sie, denn sie machen manche farblose Zeit wieder Facettenreich und zaubern auch in grauen Stunden ein Lachen auf unsere Züge. Von der Freundschaft kann man unendlich viel erzählen und doch, da braucht man es nicht, denn jeder erlebt sie auf seine ganz eigene Weise im eigenen Leben. Mal tiefer, mal nicht. Mal enger, mal entfernter.

Von der Freundschaft

Eurer Freund ist die Antwort auf eure Nöte.
Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät und
mit Dankbarkeit erntet.
Und er ist euer Tisch und euer Herd.
Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger,
und ihr sucht euren Frieden bei ihm.
Wenn euer Freund frei heraus spricht,
fürchtet ihr weder das “Nein” in euren Gedanken,
noch haltet ihr mit dem “Ja” zurück.
Und wenn er schweigt, hört euer Herz nicht auf,
dem seinen zu lauschen;
Denn in der Freundschaft werden alle Gedanken,
alle Wünsche, alle Erwartungen ohne Worte geboren
und geteilt, mit Freude, die keinen Beifall braucht.

Khalil Gibran

Ähnlich:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

CommentLuv badge